Die Tonkonserve muss kein Bühnen-Surrogat sein: Diese Erkenntnis vor allem vermittelt die Rundfunk-Aufnahme von Beethovens "Fidelio", die Erich Kleiber 1956 in Köln unternahm. Jetzt ist die Mono-Einspielung auf CD erschienen, und tatsächlich verströmt sie einen ganz eigenartigen Reiz. Der beruht zuallererst auf der Durchsichtigkeit, mit der hier musiziert und gesprochen wird und für die auch die WDR-Tontechniker sorgten, indem sie den Gesangsstimmen deutlichen Vorrang vor dem Orchester gewährten.
Die Dialoge hat man Schauspielern überantwortet, die ihre Texte separat aufnahmen - eine Idee, die zwar zu stimmfarblichen und klanglichen Brüchen führt, dafür jedoch jene Peinlichkeiten und Hilflosigkeiten vermeidet, die sprechende Opernsänger auf der Bühne oft verbreiten.
Erich Kleiber leitet das Kölner Rundfunk-Sinfonieorchester sehr präzise, sehr effektbewusst und mit einem Sinn für wohl dosierte Dramatik an, der manche Schwächen der Intonation und der Koordination nebensächlich erscheinen lässt. Die meisten Sänger der Einspielung sind nicht besser und nicht schlechter als die jüngerer Aufnahmen - mit Ausnahme des wieder einmal überaus präsenten Gottlob Frick als Rocco, und mit Ausnahme auch des Ehepaares. Hans Hopf ist gleichsam ein sprechend leidender Florestan, der sich enorm pointiert artikuliert, und die seinerzeit knapp vierzigjährige Birgit Nilsson nimmt sich ihrer Hosenrolle mit ihrer bekannten Wandlungsfähigkeit und einem derartigen Engagement an, dass man ihr bedenkenlos sämtliche Ungereimtheiten ihrer transvestitischen Aktionen abkauft.

Susanne Benda, 22.02.2001



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