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Is This Love

Tuey Connell

Minor Music/In-Akustik 0 33585 50862 3
(50 Min., 9/1999) 1 CD

Es ist selten geworden, dass sich jüngere Männer ernsthaft im Jazzgesang versuchen. Dass sich das Ergebnis auch hören lassen kann, noch seltener. Wenn es sich dann auch noch deutlich von der nicht allzu großen Konkurrenz abhebt, gilt es, eine echte Entdeckung zu verkünden.
Womit also bringt uns Tuey Connell dazu, dass wir uns seinen Namen werden einprägen müssen? Zunächst mal durch weitgehenden Verzicht auf Standards - gerade mal zwei, eher unbekannte mutet er uns zu, und einen Song vom britischen Blues-Urgestein John Mayall. Das war's dann schon mit der Tradition. Alle anderen Lieder hat Connell nicht nur selber geschrieben - die Texte sind im schön gestalteten Textheft nachzulesen -, er hat sie auch noch selbst arrangiert und produziert. Zudem ist er ein fähiger Gitarrist; als solcher will er in Zukunft mehr von sich hören lassen.
Instrumentatorisch ist Connell auch etwas eingefallen: Als Harmonieinstrument dient ihm eben kein Klavier, sondern eine diskret gehandhabte Hammondorgel (Karl Montzka). Und was könnte zu der besser passen als ein Tenorsaxofon (Geof Bradfield)? Eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der rhythmisch vielgestaltigen Musik Connells spielen auch der Bassist (Matt Ferguson) und zwei vorzügliche Leute, die sich hinter dem Schlagzeug ablösen und deren Namen ich noch nie gehört habe. Sie lassen aber vermuten, dass sich in Connells Wahlheimat Chikago eine Menge Talent unerkannt herumtreibt.
Tuey Connell, ein Bariton mit nicht allzu großem Stimmumfang, besitzt ein angenehmes, sich etwa in Sprechlage bewegendes Timbre, das ihm die Zuneigung romantisch veranlagter Damen sichern müsste. Doch auch männliche Jazzfreunde brauchen sich für ihr Wohlwollen nicht zu schämen. Und wer weiß, vielleicht werden aus so gelungenen Songs wie "Recipe For Love" eines Tages ebenfalls Standards?

Mátyás Kiss, 26.10.2000



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