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Ludwig van Beethoven

Sinfonien Nr. 1 und 2

NDR Sinfonieorchester, Günter Wand

BMG/RCA 74321 66458 2
(59 Min., 12/1997, 2/1999) 1 CD

Kann nach Gardiner, Zinman und dem Berliner Abbado dem rundum bestens versorgten Beethovenianer eine weitere Neueinspielung der Sinfonien noch etwas Neues sagen? Eigentlich nicht - hieße der Stabführer nicht Günter Wand, der zur Zeit seine dritte Einspielung (die erste Live-Produktion) der heiligen sinfonischen Texte vorlegt. Schon die Tempowahl der jetzt - nach der Dritten, Fünften und Sechsten - vorgelegten beiden Erstlinge zeigt: der bald neunzigjährige Wand ist weder ein gehetzter Sprinter noch ein bedeutungsschwerer deutscher Seelenquäler. Hier herrscht vielmehr eine geradezu unzeitgemäß gewordene Unaufgeregtheit, die gleichwohl (deswegen?) in ihren Bann schlägt.
Die beiden noch von Haydn und Mozart inspirierten Werke versteht Wand nicht im Sinne einer Noch-nicht-Eroica, sondern als "richtigen", vollgültigen Beethoven. Dieser junge selbstbewusste Komponist weiß, warum er bereits zu den Besten seiner Zunft zählt, wenn nicht als der Beste zählt. Das vermag Wand vor allem in der ersten Sinfonie zu zeigen. Symptomatisch bereits der anfängliche Septakkord: bei Wand keine halbherzige Pose, sondern stark akzentuierte Sforzato-Provokation und Programm für das Folgende. Vor allem begeistert die Betonung der Bläser, das heißt ihre wirkliche Gleichberechtigung mit den Streichern, mit der Wand erneut seinen wunderbaren Sinn für Klangbalance unter Beweis stellt.
Die zwei Jahre später, ebenfalls im Konzert mitgeschnittene zweite Sinfonie geriet demgegenüber konventioneller. Die Verve jener Ersten ist hier nur im Scherzo zu spüren. Das heißt aber nicht, dass ansonsten Langeweile herrschte: auch ein "traditioneller" Wand mit seinem untrüglichen Gefühl für Tempo- und Dynamikproportionen hat immer noch mehr zu sagen als viele Möchtegernaufreger. - Das mustergültige Beiheft sollte nicht unerwähnt bleiben.

Christoph Braun, 10.05.2001



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