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Salle Pleyel Nov. 25th, 1960; Olympia Nov 24th, 1965

Dizzy Gillespie

Laserlight/Delta 36132
(11/1960, 11/1965) 2 CDs

Schon in den vierziger Jahren war Dizzy Gillespie ein Pionier in der Verbindung von Jazz und lateinamerikanischer Musik. Kamen damals die Anregungen aus Kuba, so bereicherten im Laufe der Jahrzehnte andere Länder die Palette. Der später als Film- und Third-Stream-Komponist bekannt gewordene Argentinier Lalo Schifrin kam 1959 als Pianist zum Gillespie-Quintett und machte dort durch ehrgeizige Kompositionen auf sich aufmerksam.
Die erste davon ist "Gillespiana", eine Suite, die, im November 1960 für Verve eingespielt, als eines der wichtigsten großorchestralen Werke der sechziger Jahre gilt. Umso erstaunlicher ist es, dass die Gillespiana-Suite, wie der nur zehn Tage darauf entstandene Pariser Mitschnitt zeigt, auch von nur fünf Musikern überzeugend realisiert werden kann. Wer die Originalaufnahme nicht kennt, vermisst weder den Waldhornsatz noch die drei Latino-Trommler.
Das Fehlen der Trommler fällt ausgerechnet bei einem Werk nicht auf, bei dem die Verschmelzung von Jazz und lateinamerikanischer Rhythmik im Vordergrund steht. Einer von ihnen war der Conga-Spieler Candido, der zwar bei diesem Konzert mitwirkte, seltsamerweise aber nur bei "Caravan", aber nicht in der Suite. Diese wird von Gillespie, Schifrin, dem Bassisten Art Davis, dem Drummer Chuck Lampkin und dem sowohl auf Flöte und Altsaxofon glänzenden Leo Wright erfrischend und inspiriert dargeboten. Man wünschte, dabei gewesen zu sein.
Fünf Jahre später kam Dizzy mit einem inzwischen umbesetzten Quintett wieder nach Paris: der Pianist Kenny Barron, noch am Anfang einer großen Karriere, bildete mit Christopher White und Rudy Collins eine gute Rhythmusgruppe, der freilich die Solisten hier die Show stehlen: der überschwängliche Dizzy und der große Bop-Saxofonist James Moody, ein idealer Partner des Trompeters, arbeiteten sie doch seit 1946 immer wieder zusammen. Moody hat in "Umh, Umh" ein eindrucksvolles Solo, das uns daran erinnert, dass er zu den großartigsten Jazzflötisten gehört. Hörenswert ist "Tin Tin Deo"; lässt es Dizzy hier sonst immer krachen, greift er hier zum Dämpfer bei einem zarten Duo (!) mit seinem Bassisten White.
Im Übrigen serviert uns Gillespie verschmitzt einen Calypso und - damals hoch aktuell - zwei legendäre Jobim-Bossas geboten; Gillespie war der erste Jazzmusiker, der Bossa-Nova-Stücke in seinem Repertoire hatte. Gibt es auch wichtigere Gillespie-Alben, sollte man sich doch das leicht erschwingliche Doppelalbum mit diesen raren Aufnahmen nicht entgehen lassen. Es steckt so viel ansteckende Lebensfreude in ihnen.

Marcus A. Woelfle, 06.06.2002



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