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Stompin' At Newport

Stan Kenton Orchester

Pablo/ZYX PACD 5312-2
(53 Min., 7/1957) 1 CD

Stan Kenton versorgte in den siebziger Jahren sein eigenes Label "Creative World" mit einer Flut von Aufnahmen; wenn seither immer noch ungehobene Schätze aus den besten Jahren seines Orchesters in den Archiven schlummerten, konnte es nur rechtliche Gründe haben. Genau dies trifft hier zu: Norman Granz veröffentlichte mehrere Mitschnitte der 1957er Ausgabe des Newport Jazz Festivals bei Verve; da Kenton jedoch bei Capitol vertraglich gebunden war, unterblieb eine Veröffentlichung zunächst. Und nur wenig später waren Monoaufnahmen wie diese kommerziell bereits uninteressant.
Viele Ausgaben des Kenton-Orchesters waren, bei allem publizistischen Staub, den sie seinerzeit aufwirbelten, musikalisch wenig ergiebig und schnell vergessen. Doch 1957 hielten sich noch eine ganze Reihe fabelhafter Solisten in den dicht besetzten Reihen: der Trompeter Sam Noto, der Posaunist Kent Larsen, der Altist Lennie Niehaus und der Tenorist Bill Perkins teilen sich den Raum für Improvisationen untereinander auf und bestätigen den Ruf Kentons als Talentsucher und Katalysator der Kreativität anderer.
Womit wir bei den ausgeschriebenen Teilen wären: Die Ensembles zeichnen sich, wie das Klavierspiel des Chefs, konsequent durch die kentonsche Dichte und Schwerblütigkeit aus - was doch überrascht, wenn man bedenkt, aus welch unterschiedlichen Federn die Arrangements geflossen sind: Bill Holman und Bill Russo (siehe Rezension des "Kenton Showcase"), Gerry Mulligan, Johnny Richards und Marty Paich, um nur einige zu nennen.
Mit dem Abstand von fünfundvierzig Jahren gehört, erscheint die stellvertretend für manche Untugend und den zwiespältigen Ruf des Westküsten-Jazz stehende Orchestermusik Kentons mehr wie ein interessantes Kuriosum, das zwar unter dem Stichwort "Progressive Jazz" seinen Platz in der Musikgeschichte behauptet, uns heutigen indes nur noch wenig mitzuteilen hat.

Mátyás Kiss, 10.10.2002



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