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Kenton Showcase - The Music Of Bill Russo and Bill Holman

Stan Kenton

Capitol/EMI 7 24352 52442 6
(62 Min., 1953 - 1954) 1 CD

Selbst die Mitglieder des Orchesters sollen sie gehasst haben, die sperrigen, grausam schwer zu spielenden Kompositionen Bill Russos. Aber Kenton war nun mal der Boss - und der liebte von jeher die "progressiven" Klänge, die er wiederholt bei Arrangeuren bestellte, die mit jazzigen wie populären Klängen gleichermaßen auf Kriegsfuß standen. Manch monströse Ausgeburt wütender Stahlgewitter bot weder Raum für Improvisation noch einen swingenden Grundrhythmus: Kaum zu glauben, dass die Kenton-Band in der Pearl-Harbour-Ära als Tanzorchester begonnen und danach mit so eingängigen Nummern wie dem "Peanut Vendor" landesweite Beliebtheit erlangt hatte. Bei Nummern wie "Artistry In Rhythm" oder "Eager Beaver" (beide von 1943) hatte Kenton seine Band nicht selten als Komponist, Arrangeur und Klaviersolist in Personalunion befehligt. Einige dieser Funktionen delegierte er inzwischen an ehrgeizige Männer wie Pete Rugolo, Bob Graettinger oder eben Bill Russo.
Sicherlich waren es in einer Zeit allgemeinen Big-Band-Sterbens gerade die instrumentalen Anforderungen, die einen steten Strom junger Solisten in das Orchester lockten. Auf diesen Sessions ist es - nachdem ein gewisser Charlie Mariano noch keinen nachhaltigen Eindruck hinterlässt - Davey Schildkraut, ein hochbegabter, lyrisch gestimmter Parker-Adept, der gegen Ende der fünfziger Jahre unbegreiflicherweise in der Versenkung verschwand. Die Karriere eines anderen Altsaxofonisten war dafür umso länger: Gegen Ende der CD absolviert ein junger und virtuoser, vom Temperament her aber etwas verhaltener Bopper namens Lee Konitz gleich vier Soloauftritte in Folge, nachdem der eigentlich ebenfalls gebuchte Charlie Parker aus vertraglichen Gründen nicht mitwirken durfte.
Womit wir beim zweiten Teil des "Showcase" wären - der Bill-Holman-Abteilung, welche im Gegensatz zu den mehrheitlich statisch-verkopften Machwerken Russos die Zeit so gut wie unbeschadet überstand. Es wird kein Zufall sein, dass Holman nicht nur bis zum heutigen Tag aktiv geblieben ist, sondern dabei auch noch einen blendenden Ruf genießt. Sicher bleibt der Gesamtklang ein wenig zu massiv, auch schleichen sich (beim durchkomponierten "Theme and Variations") akademische Assoziationen ein. Doch Holmans Musik hütet sich davor, begabten Individuen brutale Kollektivismen aufzuzwingen - und sieht auch kein Problem darin, im Zweifel einem vitalen Bewegungsimpuls freien Lauf zu lassen.

Mátyás Kiss, 21.09.2000



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