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Jazz Goes To Hollywood

Lalo Schifrin

Aleph/In-Akustik 6 51702 63382 1
(66 Min., 10/1999) 1 CD

Hübsche Idee: Ehemaliger, in den sechziger Jahren zu einem der erfolgreichsten und am meisten beschäftigten Filmkomponisten aufgestiegener Jazzer besinnt sich im Alter auf seine Ursprünge und schaut, ob seine "Gebrauchsmusiken" als konzertante Jazznummern funktionieren. Der 1932 in Argentinien geborene Lalo Schifrin hatte in Paris bei Olivier Messiaen studiert und anschließend in seiner südamerikanischen Heimat ein Jazz-Orchester geleitet; 1958 war dort die Big Band von Dizzy Gillespie auf Tournee. Dieser lud ihn in die USA ein, wo er zunächst als Pianist in dessen Quintett einstieg; erfolgreiche Kompositionen wie "Gillespiana" brachten ihn zu seiner wahren Berufung als Komponist und Arrangeur zurück.
Wer auf die originalen Film- und Fernsehmusiken jener Jahre (etwa "Mission: Impossible") genauer achtet, wird feststellen, dass die meisten mehr als nur einen Jazz-Touch aufweisen - sie sind fetziger Jazz. Es waren die seligen Zeiten, bevor jeder Film, der sein (damals noch deutlich älteres) Zielpublikum erreichen wollte, über einen poppigen Soundtrack verfügen musste. Folglich bekamen die Jazzprofis in den Hollywood-Studios noch eine Menge einträgliche, zum Teil durchaus reizvolle Arbeit.
Schifrins Melodien sind ziemlich an ihre Zeit und ihren ursprünglichen Zweck gebunden; dem Vergleich mit Jazz-Standards halten sie nicht stand. Genau daraus beziehen sie gleichzeitig ihren Charme - vor allem, wenn man Schifrins pfiffige Arrangement-Ideen ("Bullitt") berücksichtigt. Vierzehn Kostproben sind hier angeführt; leider wurde versäumt, den Filmtiteln ihre deutsche Übersetzung und das Produktionsjahr anzufügen.
Die CD geht auf ein Konzert in der Kölner Philharmonie zurück, bei dem Schifrin die WDR Big Band leitete. Als Gäste waren der Saxofonist Ernie Watts, der Posaunist Nils Langren und der Schlagzeuger Wolfgang Haffner geladen - eine gute Wahl. Das aufgesetzte Showgebaren der fünfmal zu hörenden Sängerin Sandra Booker allerdings vermag zumindest akustisch kaum zu überzeugen.

Mátyás Kiss, 12.10.2000



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