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Dedalo

Gianluigi Trovesi

Enja/Soulnote ENJ-9419 2
(62 Min., 5/2001, 6/2001) 1 CD

An diese Aufnahme konnte ich ganz vorurteilslos herangehen: Wohl hatte ich Trovesis Namen immer wieder gelesen, ihn auch einmal im Konzert als Solist des Italian Instabile Orchestra erlebt, aber von seiner Musik hatte ich keine konkrete Vorstellung. Für diese Einspielung hat er ursprünglich für mittlere Combos entstandene Stücke erstmals für eine große Besetzung umgearbeitet - meinetwegen, ich kannte sie vorher ja nicht.
Gegenüber sendereigenen Jazz-Orchestern war ich bisher eher reserviert eingestellt; sie haben oft einen Hang zu gesichtslosem Perfektionismus. Trovesi, der hier neben seinen Beiträgen auf Altsaxofon und verschiedenen Klarinetten als Dirigent der WDR-Big-Band fungiert, konnte hier tatkräftig eingreifen. Dabei war es ihm sicher eine Hilfe, dass die Hauptsolisten von außen kamen - er selbst, der Schlagzeuger Tom Rainey, vor allem jedoch der Trompeter Markus Stockhausen. Ausschlaggebend für das hervorragende Niveau dieser Produktion war jedoch die Musik selbst, die alle Beteiligten zu inspirieren schien.
Sparsam dosiert Trovesi die Folklore-Elemente, die seine Musik so unverwechselbar machen; über weite Strecken kann man sich an mitreißenden Klängen erfreuen und berauschen, wie sie so fröhlich, weil stilistisch unbekümmert nur in unseren Tagen entstehen könnten: In "Now I Can" zum Beispiel entwickeln sich aus einem Dixie-artigen Rhythmus Soli, wie man sie aus dem Free Jazz kennt.
Als weiteres Plus schlägt die fabelhafte Abmischung zu Buche, die bei so komplexer Instrumentierung gewiss nicht einfach zu erzielen ist. Selbst das Beiheft geriet - typografisch wie fotografisch - überzeugend; eine deutsche Version der beiden Essays habe ich darin umso schmerzlicher vermisst.

Mátyás Kiss, 16.05.2002



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