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Round About A Midsummer's Dream

Gianluigi Trovesi-Nonett

Enja/Edel 0 63757 93842 2
(64 Min., 7/1999) 1 CD

In Shakespeares Sommernachtstraum (5. Akt, 1. Szene) führen Bottom und König Theseus einen Dialog, bei dem es um einen Bergamasker Tanz geht. Für Gianluigi Trovesi, der selbst aus der Gegend von Bergamo stammt und schon immer ein Faible sowohl für Alte Musik als auch für italienische Folklore hatte, war diese Shakespeare-Stelle ein "gefundenes Fressen". Wer seine letzten Alben kennt, darunter "Around Small Fairy Tales" (Soul Note) und "In cerca di cibo" (ECM), in denen es vor Feen, Hexen und Co. wimmelt, vermag zu ermessen, was für eine Inspirationsquelle gerade das märchenhafte Sujet der Shakespeare-Kommödie für Trovesi sein muss.
Die Typologie der Figuren führten den italienischen Klarinettisten und Altisten zu einer ungewöhnlichen Besetzung, einem Nonett aus drei Trios, die unterschiedliche Funktionen übernehmen. Ein barockes Trio - Stefano Montanari und Trovesis Tochter Stefania (Violine) sowie Paolo Ballanti (Cello) stehen mit barocker Musik für den Hof des Königs Theseus. Ein volksmusikantisches Trio – Jean-Louis Matinier (Akkordeon), Renaud Garcia-Fons (Bass), Carlo Rizzo (Gesang, Tamburin) – repräsentiert die Welt der Handwerksgesellen. Das zeitgenössische Trio – Trovesi (Alt, Klarinetten), Paolo Manzolini (Gitarre), Fulvio Maras (Schlagzeug, Perkussion, elektronische Effekte) verkörpern mit Jazz und Rockelementen Oberon und seinen Hof.
Das kann doch nicht gut gehen, wenn man Wasser und Öl partout mischen will! Und doch klingt es bei Trovesi wie das Natürlichste der Welt. Die drei Trios legen einen hinreißenden Tanz durch die Jahrhunderte hin: von Renaissance-Tänzen wie Bergamasca, Follia und Villanella bis zu den Grooves der Gegenwart. Die finale Canzonetta hat sogar drei Schlüsse, aus denen das Publikum sich den besten aussuchen kann: einen jazzigen, einen barocken und einen folkloristischen. Natürlich musizieren die drei Trios nicht separat: Wie in Shakespeares magischer Welt unterschiedliche Wesen zusammengeführt werden, Paare durch einen magischen Saft verbunden und getrennt werden, so kommt es auch hier immer wieder zu überraschenden Konstellationen, ähnlich wie es die immer gleichen bunten Steinchen beim Kaleidoskop tun.
Trovesi galt lange Zeit als Avantgardist; doch sein Credo lautet, Musik müsse auch "seiner Tante" gefallen. Irgendwie gelingt es ihm immer wieder, das Bodenständige, durchaus Gefällige mit dem Entlegenen auf einen Nenner zu bringen. Vor allem bei diesem Meisterstück.

Marcus A. Woelfle, 13.07.2000



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