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Ludwig van Beethoven

Die Geschöpfe des Prometheus

Litauische Kammerphilharmonie, Karl Anton Rickenbacher

RCA/BMG 74321 88321 2
(61 Min., 7/2000) 1 CD

Der Titel von Beethovens Ballettpartitur klingt interessanter als die Musik. Zwar macht uns Constatin Floros in seinem Einführungstext darauf aufmerksam, dass diese Komposition zu den Hauptwerken von Beethovens "heroischer Phase" gehört - und tatsächlich schätzte Beethoven seine Prometheus-Musik hoch genug ein, um mehrere Motive daraus in der Dritten Sinfonie wieder zu verwenden. Dies tat er aber wohl hauptsächlich, weil sich die Sujets der beiden Werke so sehr ähneln.
Wir erinnern uns: Die "Eroica" war ursprünglich Napoleon gewidmet, und dieser wurde, bevor er sich selbst zum Kaiser krönte, von vielen, auch von Beethoven, als ein Befreier der Menschheit angesehen - ein wiedergeborener Prometheus. Vom musikalischen Gehalt her verhält sich das "Prometheus"-Ballett wie die ganz frühen Klaviersonaten zur "Appassionata".
Das heißt nun nicht, dass es nicht durchaus schöne Passagen in der Partitur gäbe. Im Gegenteil, es ist interessant, einmal mehr vom "Prometheus" zu hören als die oft gespielte Ouvertüre; vor allem ein Adagio weiß für sich einzunehmen - es ist wohl das einzige Mal, dass Beethoven im Orchester die Harfe verwendet hat. Insgesamt jedoch gibt sich das 1801 uraufgeführte Ballett in erster Linie gefällig, zeittypisch und den Genregrenzen verhaftet - noch keine Spur vom revolutionären Geist der "Eroica" oder einiger zeitgleich entstandenen Klavierwerke.
Und wo ein solcher Geist nicht da ist, kann er auch schlecht herbeigezaubert werden. Insofern wirkt diese Einspielung in ihrer Ehrlichkeit sympathisch. Sie passt sich, um es freundlich zu formulieren, der Konzilianz der Partitur an, ohne dem Buchstaben etwas Wesentliches hinzuzufügen. Die auf modernem Instrumentarium musizierende litauische Kammerphilharmonie schlägt sich wacker, hält jedoch keinem Vergleich mit Klangkörpern der Spitzenklasse stand.

Thomas Schulz, 11.04.2002



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