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The Calling - Celebrating Sarah Vaughan

Dianne Reeves

Blue Note/EMI 5 27694 2
(65 Min.) 1 CD

Sie empfehle allen Leuten, die Platten von Sarah Vaughan "zu kaufen und sie von vorn bis hinten zu hören, damit sie Sassy selbst entdecken können", sagt die Sängerin Dianne Reeves. Das ist keine schlechte Empfehlung und klingt recht uneigennützig. Tatsächlich lohnt es sich, Dianne Reeves Version von "Lullaby Of Birdland" mit jener Fassung zu vergleichen, die auf dem 1954 eingespielten Album "Sarah Vaughan" (Verve) mit Clifford Brown zu hören ist.
Wie runde Kugeln schweben die Silben aus Sarah Vaughans Mund, während Dianne Reeves eher kleine Pfeile auszustoßen scheint. Kühler, perfekter und nüchterner wirkt die Jüngere. Dieser Eindruck hält sich auch den Rest der CD - aber eine Hommage soll auch keine Imitation sein. Dianne Reeves verkörpert eine völlig andere Generation: Sie lernte den Jazzgesang so, wie sich andere im Operngesang ausbilden lassen. Mit viel Witz integriert sie komplexe Funkrhythmen à la Herbie Hancocks Head Hunters in ihre Version von "Fascinating Rhythm". Andererseits verwandelt sie "Send In The Clowns" in ein Jazz-Kunstlied mit Streicher- und Pianobegleitung.
Ein Orchester begleitet sie bei ihrer Rundreise durch Songs aus dem Repertoire von Sarah Vaughan. Das eigene "I Remember Sarah" fällt aus dem Rahmen: In der bluesigen Nummer erzählt Dianne Reeves von ihrer Kinderhoffnung, einmal so wie Sarah Vaughan singen zu können. Dem Titel, ursprünglich eine spontane Improvisation mit der Rhythmusgruppe mit dem Pianisten Mulgrew Miller, dem Bassisten Reginald Veal und dem Schlagzeuger Greg Hutchinson, wurden in einem späteren Arbeitsgang Streicher hinzugefügt. Die allerdings sind bestens eingepasst.
Mit den Songs von "The Calling" stellt Dianne Reeves eine bisher unbekanntere Seite heraus: Als Sängerin, die Jazzklassiker als große Lieder einer vergangenen Ära interpretiert und sie dabei kunstvoll stilisiert.

Werner Stiefele, 22.02.2001



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