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This Is What I Do

Sonny Rollins

Milestone/ZYX MCD-9310-2
(48 Min., 2000) 1 CD

In unverbrüchlicher Freundschaft hält der Tenorsaxofonist Sonny Rollins seinem Elektrobassisten Bob Cranshaw die Treue. Platte für Platte fällt es andererseits schwer, sich mit Bob Cranshaws Klang in der swingenden Hard-Bop-Umgebung anzufreunden, zumal man die lang anhaltenden, dunklen Töne gefühlsmäßig eher der Fusion zuordnen würde. Von der aber sind sie meilenweit entfernt - und das verwirrt.
Zwei Sessions brauchte Sonny Rollins für sein neues Album, und bei beiden Terminen hatte er den Pianisten Stephen Scott und den Posaunisten Clifton Anderson als Partner im Studio. Am Schlagzeug ersetzte Perry Wilson dagegen beim zweiten Termin seinen Vorgänger Jack DeJohnette. Hat man sich erst mal an die ungewöhnliche Kombination mit dem Elektrobass gewöhnt, verblüfft - wie jedes Mal - die raue Schönheit von Sonny Rollins' Spiel. Der Melodienreichtum und die Soundfülle, mit denen sein Tenorsaxofon jubiliert, ächzt und stöhnt, gehen unter die Haut - und doch erinnern die ersten Titel eher an eine Tanzband, die nach Mitternacht noch vor sich hinspielt, während die letzten Gäste gerade ihr Bier leeren.
"This Is What I Do" heißt die CD, und vielleicht jammt der siebzigjährige Sonny Rollins in seiner Freizeit tatsächlich so entspannt und manchmal auch unsauber. Jedenfalls scheut er sich nicht, die Platte mit dem eingängigen, von allen zeitgenössischen Verfremdungen freien Calypso-Ohrwurm "Salvador" anzugehen und mit "Sweet Leilani" eine emotionale, von Soul durchdrungene Hymne nachzureichen. Auf den fröhlichen Shuffle "Did You See Harold Vick" folgen als Kontrastprogramm die Ballade "A Nightingale Sang In Berkeley Square" und das getragene "Charles M.". Und welch wunderbare, kleine Floskeln er in "The Moon Of Manakoora" versteckt! Solche Details lassen erkennen, dass Sonny Rollins auch als alter Mann noch zu den großen Tenoristen des Jazz zählt.

Werner Stiefele, 09.11.2000



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