Responsive image

Inside Hi-Fi

Lee Konitz

Atlantic/Warner Jazz 81227 3615-2
(41 Min., 1956) 1 CD

Frisch von der Tristano-Schulbank begann Lee Konitz, bei Atlantic, dem Label seines Mentors, eigene Platten zu machen. Deren erste (oder zweite, wenn man "Lee Konitz and Warne Marsh" mitrechnet) enthält ein kleines Experiment: Auf der A-Seite spielte er sein angestammtes Altsaxofon, auf der B-Seite das Tenorinstrument. Aber auch die Besetzung der mit nur wenigen Wochen Abstand aufgenommenen Plattenseiten war, bis auf den Schlagzeuger Dick Scott, eine andere: Das Alt begleiten Billy Bauer (Gitarre) und Arnold Fishkind (Bass), das Tenorinstrument Sal Mosca (Klavier) und Peter Ind (Bass) - in jedem Falle Namen, die mit der Tristano-Schule verbunden werden.
Das Interessante an diesem Gesellenstück des neunundzwanzigjährigen Konitz, der am 13. Oktober seinen fünfundsiebzigsten Geburtstag beging, ist jedoch weder die Wahl der Instrumente noch die der Sidemen, sondern zum Glück die Musik: Der Sohn Chikagos war über die Stationen Claude-Thornhill-Orchester, Miles' "Birth-Of-The-Cool"-Nonett, Stan-Kenton-Orchester (siehe Rezension) und immer wieder Tristano (siehe Rezension) zu einer der wichtigsten Stimmen des Cool Jazz herangereift.
Konitz hatte neben Paul Desmond als einziger Altist jener Zeit eine von Charlie Parker völlig unabhängige, vibratolose und unbluesig "weiße" Sound- und Spielkonzeption anzubieten, obgleich alle drei sich ursprünglich am Ideal von Lester Youngs Tenorsound orientierten. "Inside Hi-Fi" wird jeden Nörgler, der Cool Jazz für langweilig hält, sofort bekehren: Die Musik swingt gnadenlos, und Konitz weiß kaum wohin mit all seinen Einfällen. Das Versprechen, das er mit seinem LP-Solodebüt gab, hat er seither immer wieder neu aufs beglückendste eingelöst.
Zur editorischen Seite: Warner hat sich entschieden, die Sessions im originalen Stereomix wiederzuveröffentlichen, der das Saxofon im linken bzw. rechten Kanal isoliert. Trotzdem: eine beachtliche technische Leistung Rudy van Gelders, wenn man das Aufnahmejahr bedenkt - daher wohl auch die beliebte, sonst auf Monoaufnahmen angewendete "Hi-Fi"-Vokabel im Titel. Dass zwei zusätzliche, schon mehrfach veröffentlichte Titel von der früheren Aufnahmesitzung auf dieser Ausgabe fehlen, halte ich dagegen für ein übertriebenes Festhalten am Original.

Mátyás Kiss, 24.10.2002



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Aus Licht geboren: Wenn die längsten Nächte des Jahres wieder anstehen, haben die Menschen zugleich die meiste Kontrolle darüber, wie sie ihr Tagewerk oder ihren Feierabend ausleuchten wollen, hell oder dämmrig, elektrisch oder mit Kerzen, Kalt- oder Warmweiß. Die christlichen Lichtbräuche, die mit der nun beginnenden Adventszeit einhergehen, wie das zunehmende Kerzenlicht des Adventskranz, haben ihren Ursprung im viel älteren heidnischen Mythos des Sonnenhelden, der zur Sonnenwende die […] mehr »


Top