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Ludwig van Beethoven

Violinkonzert, Romanzen

Anne-Sophie Mutter, New York Philharmonic, Kurt Masur

DG 471 349-2
(64 Min.) 1 CD

Als Teenager hat Anne-Sophie Mutter das Beethoven-Konzert zum ersten Mal eingespielt, mit ihrem Mentor Karajan, und das war damals aller Ehren wert: Karajan als der Magier Svengali, Mutter als sein Geschöpf Trilby, so klang es denn auch, als Komplettierung des damaligen Karajan-Beethoven-Zyklus'.
Nun, Karajan ist tot, Mutter gereift und Kurt Masur kein Dirigent, der sich irgendjemandem künstlerisch aufzwänge. Man könnte ihn einen "nachdenklichen Kapellmeister" nennen, seine Beethoven-Begleitung ist nobel, aber nicht zu diskret, und sie streicht den Anteil der Solistin mehr heraus, als die Solistin selbst im Interview es als Aufgabe sieht: "Die Geige spielt über weite Strecken nur gebrochene Dreiklänge, mehr ist es nicht", das heißt: Der Solist begleitet das Orchester.
Aber was ist nun anders bei Anne-Sophie Mutter? Natürlich ihr Zugriff: souveräner als bei Karajan, dramatischer zugespitzt, aber auch kontrollierter, so, wie Interviewer die Geigerin kennen, die kein nicht von ihr zuvor zensiertes Wort drucken lässt. Mit einem geltungssüchtigeren Dirigenten als Masur, der das Werk als Sinfonie mit obligater Geige inszenieren würde (und das heißt: sich selber), befremdete die relative Strenge der Solistin. Da aber Masur ihr Raum lässt, wirkt der Wunsch nach Kontrolle wie eine Selbstbescheidung, und das Musizieren findet statt auf einer Ebene, wo zwei unterschiedliche Temperamente aufeinander treffen und das tote Chiffren-Material der Noten tatsächlich zum Leben erwecken.
Besonders ohrenfällig wird das in den Romanzen, wo Mutter erfolgreich anspielt gegen das Klischee, Beethoven sei kein Melodiker gewesen. Man könnte die Aufnahme guten Gewissens empfehlen, wenn nicht die Technik ein bisserl geschlampt hätte: Derlei unelegant-rummsige Bass-Ballungen sind jedenfalls nicht auf dem Stand der Technik.

Thomas Rübenacker, 03.10.2002



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