Responsive image

Tenderly

Bill Evans, Don Elliott

Milestone/ZYX MCD-9317-2
(57 Min., 1956, 1957) 1 CD

Noch hieß es nicht: "Jeder mag Bill Evans", aber viele schätzten ihn bereits als Sideman ohne manuelle oder stilistische Beschränkungen: so der Klarinettist Tony Scott, der Komponist George Russell oder der Bandleader Charles Mingus. Und immerhin räumte ihm Orrin Keepnews vom Label Riverside im Herbst 1956 die Chance ein, seine "New Jazz Conceptions" einem breiteren Publikum vorzustellen. In diesem Umfeld endstanden im informellen Rahmen von Don Elliotts Heimstudio lockere Duo-Improvisationen über diverse Standards; dabei wurde auch Evans' Thema "Funkallero" erstmals einem Tonband anvertraut.
Bill Evans hat immer wieder gerne mit Vibrafonisten zusammengearbeitet, so etwa mit Dave Pike ("Pike's Peak", Epic) oder dem jung verstorbenen Eddie Costa ("Guys And Dolls Like Vibes", MCA Coral) sowie eben jenem Don Elliott ("The Mellosound Of", Decca), der sich schwer damit tat, sich auf nur eines der vielen von ihm beherrschten Instrumente zu konzentrieren. Trotzdem bläst Elliott diesmal nicht das auf dem Cover abgebildete Mellofon, ein Horn mit Ventilen anstatt Klappen. Die hier erstmals edierten früheren Aufnahmen der beiden enthalten auch vollkommen anderes Repertoire als die spätere Produktion - was nicht überrascht, wenn man bedenkt, dass sie schon seit ihren Jugendtagen in New Jersey zusammen musizierten.
Aus diesen frühen Erfahrungen ergibt sich ein ausgesprochen entspanntes Geben und Nehmen, vor allem ein Lassen, das uns häufige Alleingänge Evans' beschert, der sich auch seinerseits zurückzunehmen bereit ist, um dem Vibrafonisten freie Entfaltung zu sichern. Außer Frage steht schon auf diesen inoffiziellen Aufnahmen der für damalige Jazzverhältnisse ungeheuere harmonische Reichtum von Evans' musikalischer Welt.

Mátyás Kiss, 27.09.2001



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Erstens kommt es anders: Die Vielzahl der Initiativen klassischer Musik, die gerade auf die in selbstgewählter Isolation befindlichen Freunde dieser Musik einstürmt, ist enorm. Wäre die Lage der meisten freien Musikerinnen und Musiker nicht so verzweifelt angesichts der Veranstaltungsabsagen, könnte man sich ungetrübt über die Frische und Begeisterung freuen, die da zutage tritt. Auch das RONDO ist nicht unverschont geblieben – da Einzelhandel und Bibliotheken geschlossen sind, wollen […] mehr »


Top