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Let's Get Lost

Terence Blanchard

Sony Classical SK 89 607
(64 Min., 2001) 1 CD

Das neue Jahrtausend hat kaum begonnen, doch die großen amerikanischen Firmen sehen die Zukunft eher in Rückblicken. "Let's Get Lost" ist ein Konzeptalbum, maßgeschneidert für alle, die musikalische Risiken scheuen und sich an eingängigen Melodien und bekannten Songs ergötzen. Mitten in eine glückselige, heile Welt versetzen der Trompeter und seine vier Begleiter sowie die Sängerinnen Diana Krall, Jane Monheit, Dianne Reeves und Cassandra Wilson den Hörer. Elf Songs aus der Feder des Komponisten Jimmy McHugh gruben sie aus, und in den Liner Notes erklärt Terence Blanchard, was das Ziel war: Dem Erbe des Komponisten zu dienen und die großen Kompositionen in Ehren zu halten.
Ganz brav singt Jane Monheit "Too Young To Go Steady" und "I Can't Give You Anything But Love", und Diana Krall begibt sich mit dem Titelstück "Let's Get Lost" - wie fast immer - mit stimmlicher und pianistischer Raffinesse in die Atmosphäre einer Bar oder eines Nachtklubs. Wenn Dianne Reeves "I Can't Believe That You're In Love With Me" und "Can't Get Out Of This Mood" singt, bewegt sie sich auf einer imaginären Showbühne, wie sie auch Sarah Vaughan oder Ella zur Verfügung stand.
Am weitesten entfernt sich - ein Glücksfall für die Platte - Cassandra Wilson von den Klischees. In einer düsteren Umgebung verlangt sie, "Don't Blame Me For Falling In Love With You". Und "On The Sunny Side Of The Street" ist nicht jener Heile-Welt-Schlager, den seit Satchmo die meisten aus dem Lied machen, das in der Zeit nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 optimistische Töne in die Musikboxen brachte. Sie singt den Song als Traum von Menschen, für die es schon ein gewaltiger Fortschritt ist, wenn sie sich ein wenig in Richtung Sonnenseite des Lebens bewegten.
Terence Blanchard brilliert in den elf Titeln, darunter vier reinen Instrumentals mit exzellenten Soli. Ja, er hat sein Ziel erreicht und die Kompositionen von Jimmy McHugh in Ehren gehalten. Aber für Blanchard stammen diese Stücke ja auch nicht aus der Generation der Väter, deren spießige Kultur meine Generation bekämpfte. Für ihn ist Jimmy McHugh Großvater - und dessen Kultur kann man viel leichter annehmen.

Werner Stiefele, 02.08.2001



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