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In Japan

Joe Henderson

Milestone/ZYX 0 25218-7040-2 1
(45 Min., 8/1971) 1 CD

Die späten Sechziger und frühen Siebziger waren eine schwierige Zeit für den Jazz: Die Experimentatoren und Avantgardisten begaben sich in eine Art innere Emigration, während diejenigen, die auf ein größeres Publikum angewiesen waren, unter verschiedenen Aspekten mit der Rockmusik liebäugelten. Und da gab es noch die, welche sich gezielt zwischen diese beiden Stühle setzten und - zumindest in ihrer Heimat - kaum jemanden für sich interessieren konnten: wie Joe Henderson. Der Tenorsaxofonist, der gerade das großartige "In Pursuit Of Blackness" aufgenommen hatte, genoss auf Grund seiner Beteiligung an einer Reihe epochaler Blue-Note-Alben wenigstens in Japan so etwas wie Kultstatus.
Für sein Tokio-Gastspiel am 4. August 1971 stand ihm ein Begleittrio zur Verfügung, von dem zwar nur Motohiko Hino (der Bruder des Trompeters Terumaso Hino) leidlich bekannt war, das Henderson aber mit gespitzten Ohren zu folgen vermochte und ihn zu Höhenflügen inspirierte, die auch für einen Musiker seines Formats nicht alltäglich sind. Gleich beim eröffnenden "Round Midnight" bläst sich Henderson fast die Seele aus dem Leib - er spielt nicht nur, als hätte er in Japan einen Ruf zu verteidigen, sondern auch, als wolle er demonstrieren, dass nach Coltranes Tod weiter Saxofon gespielt werden darf, ja muss.
Nicht nur auf "Out 'n' In" verlässt er, wie im Titel angedeutet, bisweilen das harmonische Gerüst, um die Schönheiten des freien Fluges zu erkunden. Das von Hideo Ichikawa virtuos gespielte E-Piano, das zu jener Zeit immerhin auch Chick Corea und Bill Evans traktierten, stört nicht weiter, zu Kenny Dorhams Dauerbrenner "Blue Bossa" passt es sogar ausgesprochen gut. Der abschließende viertelstündige "Junk Blues" erreicht wiederum ein so hohes Intensitätsniveau, dass die Abwesenheit von Bonustiteln bei dieser CD entschuldbar ist.

Mátyás Kiss, 06.07.2000



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