Responsive image

You're My Thrill

Shirley Horn

Verve/Universal Jazz 549 417-2
(46 Min., 2000) 1 CD

Shirley Horn verdankte ihren bisher größten Verkaufserfolg "Here's To Life" (1992) nicht zuletzt den Orchester-Arrangements von Johnny Mandel, der auch hier wieder mit von der Partie ist. Seine magischen, vibratoarmen Streichereinlagen und Harfenarpeggien scheinen wie aus dem Nichts aufzutauchen und sich auf raffinierte Weise mit dem sparsamen, die Akkorde diskret akzentuierenden Klavierspiel der Horn zu vermählen.
Ihre nicht imitierbaren, nahezu statischen Balladentempi erwecken auch hier wieder den paradoxen Eindruck, die Zeit zum Stillstand zu bringen und den Moment durch pointierte Lakonik mit mehr innerer Dramatik und Expressivität aufzuladen, als es alle pathetisch schluchzenden Ex-und-Hopp-Interpreten fertig brächten. "How my pulse increases when I go to pieces" singt sie im Titelstück "You're My Thrill" - und scheint dabei eher noch innezuhalten.
Das heißt nicht, dass Shirley Horn nicht auch mal eine flottere Gangart einlegt: "The Best Is Yet To Come" - diese Aussage kauft man ihr unabhängig von ihrem reifen Alter auf der Stelle ab. Doch ihre große Stärke bleiben die sprechgesungenen Meditationen über die Liebe, die kaum so wunderbaren Effekt machten, wären ihre langjährigen Begleiter Charles Ables und Steve Williams (wann hört man je so herrliche Besenarbeit?) nicht geradezu telepathisch auf sie eingeschworen. Von den solcherart verdichteten romantischen Empfindungen - aber auch von dem sich gern anschließenden Katzenjammer - müsste sich jeder angesprochen fühlen, der noch über ein blutvoll pochendes Herz verfügt.

Mátyás Kiss, 15.03.2001



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Es gibt zwei Arten von Variationswerken. Die einen machen ganz banal ihrem Namen alle Ehre und variieren etwas, in der Regel eine Melodie. Die anderen gehen darüber hinaus. In die erste Kategorie fallen unter anderem auch Werke prominenter Jubiläumskomponisten, die man getrost in der Schublade lassen kann. In die zweite Kategorie fällt eher wenig. Als Igor Levit sich 2015 den großen pianistischen Variationswerken widmete, durften zwei natürlich nicht fehlen. Klar, Beethovens […] mehr »


Top