Responsive image

Skyline

Bobby Hutcherson

Verve/Polygram 559 616-2
(57 Min.) 1 CD

Bobby Hutcherson ist durch ein Erweckungserlebnis zum Vibrafon gekommen, als ihm bei einem Spaziergang aus einem Plattenladen Milt Jackson mit “Miles Davis and The Modern Jazz Giants” entgegentönte. Den Einfluß Milt Jacksons verleugnete er auch nicht, als er bei Blue Note mit Eric Dolphy und Herbie Hancock die Sprache des heraufziehenden New Jazz für das Vibrafon formulierte. Doch der große Durchbruch wollte ihm nie gelingen.
Jetzt ist er gleich auf zwei Verve-Produktionen präsent: als großartiger Begleiter von Abbey Lincoln auf deren CD “Wholly Earth” und auf seinem längst überfälligen Leader-Einstand “Skyline”. Es mag für die selbstbewusste Bescheidenheit von Bobby Hutcherson sprechen, dass er den Altsaxofonisten Kenny Garrett als Gast an diesen Aufnahmen teilnehmen ließ. Doch der Sog der Hörgewohnheiten, denen sich allerdings auch die Arrangements anpassen, lässt Garrett automatisch als Leaderfigur erscheinen, und der Hörer bedauert, dass er sich bei den schnelleren Nummern nicht ebenso ausführlich wie bei den Balladen in Quartett-Besetzung an der so großartig logisch-nüchtern kontrollierten Melodieseligkeit Hutchersons erfreuen kann.
Zudem vermittelt das Quintett mit Garrett eine gewisse Nervosität, und auch Geri Allens sonst so pfiffige Klavierbegleitung erfährt dort einen Anflug von Ungelenkheit. Doch nehmen wir die immerhin zahlreich vorhandenen wunderbaren Momente dieser Produktion als ein Versprechen auf eine herrliche Zukunft.

Thomas Fitterling, 31.12.1998



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ironie, Satire, Persiflage: Es sind die wohl schwierigsten Kommunikationsformen überhaupt. Und noch mehr, wenn es um musikalische Kommunikation geht. Denn hier ist selten einfach das gemeint, was offensichtlich ausgedrückt wird, sondern meist eine Haltung des Komponisten dazu, sei es eine Distanzierung, eine Kritik oder einfach nur ein derber Spaß, den er sich erlaubt. Dmitri Schostakowitsch war ein Meister dieser unterhaltsamen Kunst der Zwischentöne. Sein erstes Klavierkonzert, das er mit […] mehr »


Top