Das Gaede Trio, das seine Serie bei TACET um Vol. VI erweitert hat, wirkt erstaunlich reif im Zusammenspiel. Das seit 1991 bestehende Ensemble will sich nach eigenen Worten nicht spezialisieren, sondern alle stilistische Richtungen bedienen und hat sich das auch zum Programm dieser Aufnahme gemacht: Jeweils zwei Werke aus dem 18. und dem 20. Jahrhundert werden kombiniert.
Den Rahmen bilden Beethoven, der mit seinen Streichtrios "den Übergang von der Konvention heiterer Gesellschaftsmusik hin zur Sphäre anspruchsvoller Triokunst vollzogen" hat (so Matthias Wiegandt im informativen Booklet) und der 1997 verstorbene Jean Françaix, der sich nicht von avantgardistischen Moden verwirren ließ. Sein 1933 komponiertes Streichtrio ist eines seiner bekanntesten Werke. Wirklich beeindruckend ist das vom Gaede Trio quasi hingehauchte Andante.
Das andere Komponisten-Paar besteht aus Mozart - er bearbeitete ein Stück aus Bachs Wohltemperiertem Klavier, wobei die Autorschaft nicht geklärt ist - und Ernst Krenek, der ebenfalls etwas zum Thema Bach beigetragen hat: Der in alten Formen und historischen Satztechniken experimentierfreudige Krenek schrieb 1950 "Parvula corona musicalis" für Streichtrio als Auftragswerk des italienischen Rundfunks zum 200. Todestags Bachs. Er komponierte die Hommage in Form eines musikalischen Kranzes, indem er das Prinzip eines zyklischen Kanons in die Sprache der Zwölftonmusik übersetzte. Für die herrlich unprätentiöse Interpretation des Gaede Trios und die brillante Aufnahmetechnik von TACET hätten alle Beteiligten ebenfalls eine solche Krone verdient.

Karin Dietrich, 19.07.2003



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