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85th Birthday Celebration

Thelonious Monk

Fantasy/Zyx FANCD 6076-2
(225 Min., 1952 - 1961) 3 CDs

Am 15. Oktober 1947 betrat zum ersten Mal eine Combo unter der Leitung von Thelonious Monk ein Plattenstudio. Der Leader war fünf Tage zuvor dreißig Jahre geworden, und der Produzent Alfred Lion wollte dem schrägen Vogel und seiner noch schrägeren Musik eine Chance geben. Obwohl 1947 das Schlüsseljahr in der Geschichte des Bebop war und den kommerziellen Durchbruch für den zunächst als "Chinesenmusik" verunglimpften Moderne Jazz bedeutete, profilierte Thelonious Monk nicht vom Trend zu Baskenmützen, dunklen Sonnenbrillen und Ziegenbärtchen, den Dizzy Gillespie initiiert hatte.
Monks Musik wirkte im Gegensatz zu der Gillespies, Charlie Parkers und insbesondere seines jüngeren Freundes Bud Powell anti-virtuos, querständig, schlicht unverständlich. Seine Platten blieben wie Blei in den Regalen liegen. Die Aufnahmetermine wurden seltener, die Bedingungen schlechter: Bei so viel vermeintlichem Missklang machte man sich bei dem kleinen Independant-Label Prestige zuletzt nicht einmal die Mühe, das Klavier zu stimmen.
Zehn Jahre später hatte sich der Wind gedreht – zu seinen Gunsten. Als der Bebop in der bodenständigeren Form des Hardbop zum zweiten Mal in Mode kam, fiel Monks Musik nicht länger auf taube Ohren, sein skurriler Humor wurde plötzlich geschätzt, einige seiner Kompositionen entwickelten sich zu Standards, vor allem in Interpretationen von Miles Davis: "Round Midnight", Well, You Needn't" oder "Straight, No Chaser". Endlich hatte er auch Bläser, welche die Herausforderung seiner Musik annahmen: neben Sonny Rollins zum Beispiel die Altisten Gigi Gryce und Ernie Henry.
Doch selbst Genies hatten noch ihre Anlaufschwierigkeiten: Einmal, als die Aufnahmen zu "Monk's Music" zum Erliegen kamen wandte sich Monk an Coleman Hawkins, seinen frühen Mentor: "Du bist doch der Mann, der das Tenorsaxofon erfunden hat?" Der nickte bloß. Und an John Coltrane: "Bist du nicht der große Coltrane?" "Och, so groß bin ich gar nicht …" blickte dieser verlegen zu Boden. "Dann werdet ihr dieses Stück doch hinbekommen, oder?" Monk war für gewöhnlich nicht der Mann, der sich für seine persönlichen Belange einsetzte, aber er legte großen Wert darauf, dass seine Musik richtig gespielt wurde: In der Tat wird man das Gefühl nicht los, dass diejenigen Interpreten, die seine Musik nicht von ihm selbst gelernt haben, nicht wirklich ihren Kern erfassen.
Wenigstens gibt es ausreichendes Studienmaterial: RONDO-Mitarbeiter Marcus Woelfle hat aus Anlass von Monks 85. Geburtstag die allerbesten Interpretationen aus seiner mittleren Periode auf drei langen CDs zusammengetragen: Die vielen Live- und Studio-Einspielungen für das ihm wohl gesonnene Label Riverside, die den Schwerpunkt der Sammlung bilden, gelten auch dank hervorragender Sidemen als seine inspiriertesten. Dazu könnte man die Edition auch as Monk-Songbook betrachten: Keine seiner unsterblichen Kompositionen fehlt, und Woelfle hat auch penibel darauf geachtet, Dopplungen zu vermeiden. Als Zuwaage bekommen wir zwei ganz frühe Klangbeispiele (aus Minton's Playhouse sowie als Sideman von Coleman Hawkins) zu hören, die seinen Klavierstil in einem opulenteren Frühstadium dokumentieren.

Mátyás Kiss, 22.02.2003



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