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Skies Of America

Ornette Coleman

Columbia Legacy/Sony 5 099706 356820
(41 Min., 4/1972) 1 CD

Endlich, im Jahr seines siebzigsten Geburtstags, erlebt dieses den meisten Hörern bestenfalls aus der Literatur bekannte, weil nie wiederveröffentlichte Hauptwerk Ornette Colemans seine CD-Premiere. Was hat es also, aus dem sicheren Abstand von fast drei Jahrzenten beurteilt, mit den "Himmeln Amerikas" auf sich?
Zunächst einmal lieferten sie die erste öffentliche Demonstration von Colemans berühmt-berüchtigtem "harmolodischen" Prinzip, das unter anderem keine Rücksichten darauf nimmt, ob die Spieler sich in der gleichen Tonart oder im gleichen Tempo vorwärtsbewegen. Die resultierende "Kakophonie" des Streicherkörpers der Londoner SInfoniker ist auch das, was beim ersten Hören von "Skies Of America" ins Ohr springt. Weniger mangelnde Erfahrung - Coleman besuchte sein erstes Sinfoniekonzert im Alter von dreißig Jahren -, sondern mangelnde Vorurteile dem gegenüber, was wir nach europäischen Kriterien als musikalisch richtig und stimmig empfinden, sind der Grund für dieses gewissermaßen pantonale Denken (und Hören), das wir auch bei Ives finden.
Die in eine je zwanzigminütige Nacht- und Tagsequenz aufgeteilte Suite mit improvisierten Solokadenzen für Altsaxofon muss einem deswegen noch lange nicht gefallen. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass es sich bei dieser nach wie vor einzigen Aufnahme keineswegs um die autorisierte Aufführungsversion handelt. Die "Skies" erklingen hier in beschnittener Form; obendrein verhinderten abstruse Gewerkschafts-Bestimmungen, dass Colemans Band, die integraler Bestandteil des Werks ist, nach England einreisen durfte. So beschränkt sich das konzertierende Gegengewicht zum volltönenden Orchester auf Coleman selbst und einen prominenten Paukenpart.

Mátyás Kiss, 29.06.2000



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