Mönch liebt Herzogin - diese verbotene Liebe steht im Mittelpunkt des Romans "Ekkehard", der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Bestseller war. Angeregt durch das Studium des "Waltherliedes", eines Versepos aus klösterlichem Bestand, ersann der badische Dichter Viktor von Scheffel einen Historienroman, der einen romantisch verklärten Blick ins Mittelalter wirft, eingebettet in die Hegau- und Bodenseelandschaft. Zwei Jahrzehnte später, 1878, wurde der populären Stoffes als große fünfaktige Oper aufgeführt.
Der Komponist Joseph Abert, einst Stuttgarter Hofkapellmeister, ist heute praktisch vergessen - mit seinem Namen verbindet man heute allenfalls seinen Sohn und seine Enkelin, beides bedeutende Musikforscher; von der Enkelin stammt der erhellende Beihefttext.
Abert hat das buntscheckige Libretto effektvoll, abwechslungsreich und mit viel Theaterinstinkt in Musik umgesetzt; er spart nicht am Chorpart, an instrumentatorischen Raffinessen oder an wagnerschen Effekten; Leitmotivik und lyrische Abschnitte kommen vor - der Vergil-Monolog zu Beginn deszweiten Aktes erinnert an Wagners Gralserzählung.
Peter Falk, das Orchester und die Solisten nehmen sich in diesem Mitschnitt von den Musiktagen Bad Urach dieser Oper beherzt an. Ihre Interpretation ist zupackend und engagiert, in den ruhigeren, lyrischen Passagen vielfarbig - positiv schlägt zu Buche, dass die plakativen Chorsätze nicht zu sehr ausgekostet oder gar zelebriert werden; manche Tuttistellen wirken dadurch jedoch etwas grob. Die Solopartien sind im Großen und Ganzen gut besetzt, wobei Jonas Kaufmann in der Titelpartie bezüglich des Stimmumfangs herausragt; besonders zu erwähnen ist auch Mihoko Fujimara als Waldfrau in einer besonders schillernden Rolle. Die Konzertakustik unterstützt den positiven Eindruck.
Aberts "Ekkehard" ist dies zwar kein sensationelle Ausgrabung, jedoch bekommt man ein originelles Werk in einer erfreulichen Interpretation zu hören.

01.12.1999



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