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Time and Time Again

Paul Motian, Bill Frisell, Joe Lovano

ECM/Universal 170 1137
(52 Min., 5/2006) 1 CD

Sie haben Zeit. Sehr viel Zeit. Mehr Zeit, als sich Musiker gewöhnlich für jeden einzelnen Ton gönnen. Doch diese Langsamkeit zahlt sich aus. Wunderbar duftige Klanggespinste entstehen so, fein geknüpfte Tonverbindungen, so transparent wie Spinnennetze gewoben und gleichzeitig so strukturiert, dass der Hörer nie die Orientierung verliert. In den zehn Titeln von "Time And Time Again" reduziert der Schlagzeuger Paul Motian, ohnehin kein Freund des durchlaufenden "Tingeling", sein Spiel im Trio mit dem Saxofonisten Joe Lovano und dem Gitarristen Bill Frisell aufs Notwendigste – und ist doch so präsent, dass er der Musik mit wenigen Schlägen Richtung und Struktur verleiht. Bill Frisell greift in diesem Trio auf seinen ursprünglichen, zögernden Stil zurück, der ihn in den 1980ern gegenüber allen anderen Gitarristen hervorhob, und Joe Lovano tupft seine raren Töne ähnlich bedächtig und sorgfältig wie die beiden anderen. Die drei spielen frei zusammen – aber nicht free im landläufigen, Freiheit mit Radau gleichsetzenden Sinn. Bei ihnen paart sich die Freiheit mit Disziplin, mit Hören, mit Sorgfalt und scheinbar aus dem Nichts auftauchenden, perfekt abgestimmten Passagen. Die Freiheit dieses Trios fußt in tiefer Harmonie. Hier beginnen kleine Melodien zu schweben, und jeder hat die Muse, den zart hingetupften Klängen nachzuhören. Die zehn Stücke, darunter sieben Kompositionen von Motian sowie "This Nearly Was Mine" vom Autorenteam Rodgers/Hammerstein, "Light Blue" von Thelonious Monk und "Party Line" von Joe Lovano, wirken fragil und sind dank des exzellenten Zusammenspiels immens robust.

Werner Stiefele, 26.05.2007



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