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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



George Bernard Shaw sprach vom Komponisten Boito überspitzt als „von einem kultivierten, gebildeten Mann ohne angeborene musikalische Gaben, aber mit zehnmal soviel Geschmack und Kultur wie ein Musiker von nur gewöhnlicher Außergewöhnlichkeit." Ein hartes Urteil, doch lässt sich nicht leugnen, dass Boitos Partitur besonders beim fehlenden visuellen Eindruck Längen aufweist. Boito, Musikfreunden eher als Librettist für Verdi bekannt, wandelte Goethes Faust mit Sachverstand und viel Gespür für Dramatik in einen Opernstoff um, in dem er Schlüsselszenen aus beiden Teilen zu einer Folge von Einzelbildern bis hin zu Faustens Tod aneinanderreihte. Boitos Musiksprache erschließt sich nicht so leicht wie jene Verdis oder Puccinis. Sie offenbart sich eher in Details der Instrumentation, in der musikalischen Charakterisierung der Protagonisten und in einzelnen Szenen wie jener von Margheritas Tod und in Ensembles wie der Hexenfuge oder in der Schlussszene.
Riccardo Muti erweist sich in diesem Mitschnitt aus der Scala als Klangmagier, der Boitos Partitur betörende Klänge entlockt. Samuel Ramey scheint die dankbare Rolle des dämonischen Mefistofele geradezu auf den Leib geschrieben zu sein, und auch Vincenzo La Scola als lyrischer Faust und Michèle Crider in der Doppelrolle als Margherita und Helena werden den anspruchsvollen Partien gerecht. Der Preis für die Live-Spannung, die diese Aufnahme vermittelt, sind eingeschränkte Textverständlichkeit und ein etwas pauschales Klangbild.

Peter Overbeck, 30.03.1996



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