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N° 1290
28.01. - 03.02.2023

nächste Aktualisierung
am 04.02.2023



Goethe hätte seinen "Faust" am liebsten von Mozart im Stil des "Don Giovanni" vertont gesehen, so Eckermann, um "das Abstoßende, Widerwärtige, Furchtbare, was diese Musik zeitweise enthalten müsste", zu realisieren. Diese Studio-Aufnahme der einzigen vollendeten Oper Arrigo Boitos, die fast Wort für Wort auf Goethes Text basiert und musikalisch zwischen Verdi und Wagner angesiedelt ist, entstand 1956.
Sie hat nur einen Lichtblick, und der heißt Ferruccio Tagliavini. Er ist einer der eminenten lyrischen Tenöre, der ohne weiteres neben Tito Schipa gestellt werden kann. In seinem Element ist Tagliavini jedoch eher in Belcanto-Opern: unübertroffen als Graf Almaviva ("Barbier"), als Herzog von Mantua ("Rigoletto") oder als Elvino ("La Somnambula"). Auch in der Rolle des Faust kann Tagliavini seine Qualitäten zeigen und darüber hinaus seine Fähigkeit, heldisch zu werden - und doch ist er kein überzeugender Faust, weil das Lyrische letztlich überwiegt, seine Stimme zu wenig Strahlkraft hat.
Schlimmer sieht es mit Giulio Neri in der Titelpartie aus. Ich habe mich immer gefragt, welcher Teufel Boito geritten hat, als er Mephisto mit einem Bass besetzt hat. Neris Mephisto hat ausgesprochen wenig von der Ambiguität, der satanischen Eleganz eines Don Giovanni, sondern er ist ein Schaf im Wolfspelz, das sich mit drei sicheren Tönen bemüht, gefährlich zu wirken.
Marcella Pobbe kennt nichts von Goethes Existentialismus, von der abgrundtiefen irdischen Verzweiflung, die er in der Figur der Margarete angelegt hat. Rhythmisch unsicher und intonationsschwach, aber mit viel Stimme ist diese Margarete eine italienische Nettigkeit. Entschieden musikalischer und ausdrucksstärker ist Disma De Cecco als Helena.
Dem Dirigat Angelo Questas eignet eine schwerfällige Genauigkeit, die keine Atmosphäre aufkommen lässt, geschweige denn eine Faustische Dämonie. Als konkurrierende historische Aufnahme ist die Tullio Serafins mit Tebaldi, del Monaco und Siepi bei Decca (1958) zu empfehlen.

Cornelia Wieschalla, 29.05.2002



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