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Frank Bridge

Enter Spring, Isabella, Two Poems, Mid Of The Night

BBC National Orchestra of Wales, Richard Hickox

Chandos/Koch 0 95115 99502 0
(75 Min., 11/2000) 1 CD

Ein neuer Zyklus mit sämtlichen Orchesterwerken von Frank Bridge - das ist in der Tat ein Grund zur Freude. Selbst in seinem Heimatland hatte es sich lange nicht herumgesprochen, dass der Lehrer Benjamin Brittens zu den originellsten und vor allem innovativsten britischen Komponisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählt.
Die innovative Seite von Bridges Musik kommt allerdings in der ersten Folge kaum zum Tragen. Vielmehr zeigt sich, dass der Komponist ein ausgesprochener Spätentwickler war: Die beiden Tondichtungen "Isabella" und "Mid Of The Night" zeigen Bridge wohl als begabten Instrumentator, sprechen jedoch noch eine sehr unpersönliche Sprache. Solche zeittypischen Konvolute aus Elementen von Wagner, Liszt und Tschaikowsky haben zu Beginn des Jahrhunderts viele Komponisten fabriziert, deren Namen man heute zu Recht nicht mehr kennt. Die beiden "Poems" von 1915 bieten da schon wesentlich mehr, was die Beschäftigung lohnt, vor allem das erste, in dem bereits die für Bridges spätere Musik typische herb introvertierte Harmonik aufleuchtet.
Bleibt die 1927 vollendete Rhapsodie "Enter Spring" als einziges Werk von Bridges Reifezeit - ein untypisches jedoch: Bridge, dessen musikalisches Naturell sich nach dem Ersten Weltkrieg dem Pessimistischen zuwandte, schuf hier ein helles, gar hymnisches Stück, wie es in seinem Schaffen einzigartig darsteht, ein verspäteter Höhepunkt jener spätromantisch-impressionistischen Naturlyrik, welche besonders in Großbritannien erfolgreich gepflegt wurde, die jedoch in den zwanziger Jahren, vor allem in Bridges eigener Musik, längst der Vergangenheit angehörte. Vielleicht hat Bridge sich in diesem gleichermaßen melodienseligen wie klangmagischen Werk ja genau in diese Vergangenheit zurückversetzen wollen.
Dass man sich bei Chandos für Richard Hickox als Dirigent entschied, überrascht nicht. Er, der schon so viel britische Musik, bekannte und vergessene, überzeugend präsentierte, enttäuscht auch hier nicht. In "Enter Spring" würden wohl etwas mehr Ruhe und Gelassenheit, wie sie etwa Charles Groves meisterhaft zelebrierte (EMI), gut zum Charakter des Werks passen, insgesamt jedoch kann man diesem Zyklus Erfolg prophezeien und sich schon auf die nächste Folge freuen.

Thomas Schulz, 17.01.2002



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