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Alfred Bruneau

Requiem, Lazare

Françoise Pollet, Jean-Luc Viala, Laurent Naouri, Orchestre National de France, Jacques Mercier

BMG/RCA 7 43217 50872 2
(72 Min., 7/1994) 1 CD

Im Beiheft dieser Aufnahme findet sich ein sonderbares Foto: Emile Zola sitzt im Kreis der Famile des Komponisten Bruneau, und der hat sich mit gleicher Barttracht, gleicher Brille dem Romancier geradezu unheimlich anverwandelt. Als habe Bruneau geahnt, dass er sich einzig an den Namen des Autors der Rougon-Macquart geheftet eines bescheidenen Nachruhms sicher sein kann.
Hört man diese Ersteinspielung des Requiems, begreift man, warum Zola von Bruneau begeistert war, warum er ihm seine lyrische Szene "Lazarus" anvertraute. Diese harmonisch und rhythmisch einfach anmutende Musik ignoriert die chromatischen Kompliziertheiten der Wagner-Nachfolge, den etwas dünnblütigen Jahrhundertwende-Sensualismus völlig. Bruneau transponiert eher die thematische Griffigkeit, die harten Konturen eines Leoncavallo oder Mascagni ins "feindliche" französische Umfeld. Diese vitale, allgemeinverständliche Sprache musste Zola gefallen. Immerhin nutzt Zolas erzählerische Wucht und pralle Bebilderungslust durchaus grelle Effekte, Züge, die sich bei Bruneau verwandelt wiederfinden.
Er monumentalisiert die einfachen Bausteine seiner Musik, die schroffen Dur-Moll-Kontraste, die knappe, eingängige Melodik, die blockhafte Instrumentierung in ausdrucksvoller und eigentlich sehr moderner Weise. Welche rhetorische Wucht einem simplen Quartintervall zuwachsen kann, beweist Bruneau in der Szene, in der Christus Lazarus auffordert, sich zu erheben.
Auch in den lyrischen, leisen Abschnitten des "Requiems" wie dem wunderschönen "Lacrimosa" gewinnt Bruneau der Technik unvermittelt nebeneinandergestellter Dur-Tonarten einen magische Sogkraft ab, die mich immer mehr für diesen musikgeschichtlich eigentümlich isolierten Zola-Doppelgänger eingenommen hat.

Matthias Kornemann, 25.01.2001



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