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Ferruccio Busoni

Klavierkonzert C-Dur

Marc-André Hamelin, City of Birmingham Symphony Orchestra, Mark Elder

Hyperion/Koch CDA 67143
(73 Min., 6/1999) 1 CD

Wer 1904 die beunruhigend dicke Partitur von Ferruccio Busonis Klavierkonzert erwarb, fand auf dem Titel eine Radierung des Worpsweder Jugendstilpioniers Heinrich Vogeler, die er nach Busonis Erklärungen schuf. Das wie immer wundervolle Hyperion-Beiheft bildet sie ab. Da sieht man, die fünf Sätze symbolisierend, einen griechischen Tempel, eine üppige Blüte, einen ägyptischen Sonnentempel, eine Vesuvansicht und schließlich einen düsteren babylonischen Grabbau.
Diese dunklen Allegorien leiten in ein Werk, das mit fünfundsiebzig Minuten Dauer, seiner unerhörten Satzdichte und Kompliziertheit den Superlativ des monströsesten Klavierkonzertes aller Zeiten verdient. Ich würde heucheln, vergliche ich nun souverän dieses oder jenes Interpretationsdetail, als handle es sich um die x-te Version von Schumanns Klavierkonzert. Busonis Konzert zählt zu jenen Gebirgen, in die man nur mit Ernst und Zeit eindringen kann.
In dieser Neuaufnahme gibt Marc-André Hamelin den Solopart. Er steht im Rufe, solche Partituren vor dem Frühstück zu verkosten, doch diese Arbeit mühte ihn doch mehr, zumal er gegen eine kürzlich wiedererschienene Referenz ankämpfen muss: Es war der große, bizarre John Ogdon, der 1967 jene bis heute maßstäbliche Version hinsetzte: Sie ist durchhörbarer, etwas spröder in den diabolisch vertrackten Tanzrhythmen der Sätze 2 und 4 als die Hamelins. Der nimmt es wuchtiger, er liebt den orchestral-opulenten Ton, hat aber weniger aggressiven Biss als Ogdon. Doch die Klangpracht dieser Aufnahme lockt unbedingt zu weiterem Einhören.

Matthias Kornemann, 02.03.2000



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