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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Ferruccio Busoni, Johann Sebastian Bach, Franz Liszt

Goldberg-Variationen, Drei Petrarca-Sonette, Nach der Wendung u.a.

Claudius Tanski

MDG/Codaex 312 1323-2
(75 Min., 7/2004) 1 CD

Erst abspecken und dann zulegen - nach dieser Devise baute Ferruccio Busoni Bachs "Goldberg-Variationen" 1914 um, die er als Konzertfassung seiner Edition des kompletten Zyklus beilegte. Aus den 30 Variationen hatte Busoni 21 Variationen ausgewählt, um den Gebrauchswert und die Popularität noch zu steigern. Und weil Busoni mehr als nur ein Bach-Apologet war, richtete er das fürs zweimanualige Cembalo komponierte Werk für Klaviertasten mit einem Schuss romantischer Virtuosität ein. Oktavierungen, kunst- und anspruchsvolle Zusatzverzierungen und Donnerschläge setzten da mehr auf Kurzweil statt auf den geistigen Nachvollzug, musste man sich auch nicht mit Wiederholungen aufhalten. Selbst eine nahtlos ineinander übergehende Brücke gibt es vom "Quodlibet" zur finalen Wiederholung der "Aria". Reizvoll ist diese Busoni-Fassung immerhin, weil sie in der Flut der in den letzten Jahren veröffentlichten Einspielungen des Originals einen Sonderstatus einnimmt. Mehr als eine Kuriosität ist sie jedoch nicht. Da kann Claudius Tanski noch so auf pianistische Qualität setzen und die schaustellerische Entfaltung mit jener geistvollen Milde abfedern, die sich in der berühmten "Nun komm der Heiden Heiland"-Transkription organisch ausbreitet.
Kaum überraschend ist daher, dass Tanski da seine eigentlichen Stärken ausspielen kann, wo sein "sechster Sinn" für den Klangzauber am Rande der Entmaterialisierung gefragt ist. In der Elegie "Nach der Wendung" von Busoni beispielsweise. Dem lamentohaften Innenleben entlockt Tanski ein wachrüttelndes Flimmern, an die Stelle der Sentimentalität tritt eine bitterzarte Poesie. Der Bogen zu Liszts Petrarca-Sonetten ist somit nicht weit. Und in den drei ausgewählten Stücken Nr. 47, 104 und 123 ist erwartungsgemäß nichts füllig, wühlerisch oder gar vulgär, sondern von einer fein differenzierten Homogenität und gestalterischen Flexibilität, die ganz auf den "absoluten" Form- und Klangexperimentator Liszt zugeschnitten ist.

Guido Fischer, 15.10.2005



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