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Joseph Joachim Raff

Sinfonie Nr. 4, Ouvertüren u.a.

Bamberger Symphoniker, Hans Stadlmair

Tudor/Naxos 7113 und 7128
(129 Min., 2001, 2002, 2003) 2 CDs

Seit einigen Jahren setzen sich Hans Stadlmair und die Bamberger Symphoniker für den weitgehend aus dem Musikleben verschwundenen Joseph Joachim Raff ein. So ist bei Tudor bereits eine Reihe von acht CDs erschienen, die nun um zwei weitere ergänzt wird. Raff (1822-1882) war musikalischer Autodidakt, nach ersten Erfolgen sechs Jahre lang Assistent und Sekretär von Franz Liszt in Weimar, was ihn für sein kommendes Schaffen auf der musikalischen Gegenseite (den Anhängern von Schumann und Brahms) verdächtig machte. Tatsächlich war er im 19. Jahrhundert wohl einer der meistgespielten Komponisten.
Von seinem guten Ruf ist so gut wie nichts übrig geblieben, und - man muss es wohl sagen - er ist aus heutiger Sicht eher musikalischer Durchschnitt. Schöne Stellen, durchgearbeitete Gedanken findet man besonders in der von der Form her strengeren Sinfonie. Doch sie wechseln auch mit Ungeschicklichkeiten, besonders in den Ouvertüren, die eben keine Form vorgeben, sondern das Gespür und das Können des Komponisten stärker herausfordern. Raff ist musikalischer Durchschnitt, nicht mehr, aber auch nicht weniger, und das bedeutet, dass man als heutiger Hörer sowohl interessante, ja bewegende Passagen und Einfälle ausmacht, wie auch den Abstand zu den Großen seiner Zeit erkennt.
Was die Bamberger Symphoniker bewegt, diese Einspielungen vorzunehmen (und die Plattenfirma, diese zu veröffentlichen), ist neben musikalischem (und musikwissenschaftlichem) Interesse sicher auch die sinnvolle Belegung einer Nische. Nicht die x-te Einspielung von Beethoven-Sinfonien hat auf dem Plattenmarkt noch Sinn, sondern Raritäten, die sich über Jahre und Jahrzehnte im Katalog werden halten können. Und Hans Stadlmairs Engagement fällt auf fruchtbaren Boden: Seine Interpretationen sind frisch und lebendig, ja sie wirken, sicher auch durch die intensive Beschäftigung mit dem Komponisten, authentisch und mit Hingabe nachempfunden.

Matthias Reisner, 19.02.2005



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