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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Einojuhani Rautavaara

The Gift Of The Magic: A Christmas Opera / The Gift Of Dreams (Dokumentation)

Pia Freund, Jaakko Kortekangas, Martti Wallén, Anna-Lisa Jacobsson, Lassi Virtanen, Chor von Veräjäpelto, Tapiola Sinfonietta, Petri Sakari, Hannu Heikinheimo

Arthaus/Naxos 100 419
(96 Min., 1997) 2 CDs

Bestimmt kennen Sie O’Henrys berühmte Weihnachtsgeschichte: Minna und Joel sind ein jung verheiratetes Paar und furchtbar arm. Um ihrem Mann zu Weihnachten eine Kette für seine heiß geliebte Taschenuhr schenken zu können, verkauft Minna ihr schönes Haar; Joel aber versetzt derweil seine Uhr, um Minna seinerseits mit perlmuttenen Haarkämmen zu überraschen. Die schöne Parabel über Reichtum, Armut und das Geschenk der Liebe siedelt Einojuhani Rautavaaras TV-Kurzoper im Finnland der 1920er Jahre an - und hätte er die Musik dazu auch damals komponiert, wäre alles gut. Doch leider haben wir es mit einem Werk aus dem Jahre 1997 zu tun - und da muss bei allem Verständnis für weihnachtliche Nostalgie doch die Frage erlaubt sein, ob man eine Oper heute wirklich noch mit "Hosianna" singenden Kindern und einem fetten leuchtenden Stern am finnischen Winterhimmel enden lassen kann. Der kurze Gastauftritt des Komponisten im Pelzmantel reicht als Versuch einer ironischen Brechung dieses ungeniert ausgelebten Weihnachts- und Operntraums jedenfalls nicht aus, auch wenn Rautavaaras ökonomisch eingesetzte musikalische Mittel dem gigantischen Kitschpotenzial des Textes erstaunlich gut trotzen. Dank untadeligen Handwerks und klarem Instinkt für musikdramatische Konventionen fügen sich Rautavaaras melancholisch-mystischer Modernismus, die Bilder des von der Wintersonne atmosphärisch beleuchteten Armenviertels sowie die bittersüße Moral von der Geschichte immerhin zu einem stimmigen atmosphärischen Ganzen. Das anschließende Filmporträt (das den größten Teil der Spieldauer der DVD ausmacht) versöhnt uns mit dem Komponisten, der seinen von feinem Humor gebrochenen natürlichen Hang zu Nostalgie und Mystizismus in Leben wie Werk mit sympathischer Beharrlichkeit zu folgen versucht.

Carsten Niemann, 23.12.2005



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