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Alan Rawsthorne

Cellokonzert, Oboenkonzert, Sinfonische Studien

Alexander Baillie, Stéphane Rancourt, Royal Scottish National Orchestra, David Lloyd-Jones

Naxos 8.554763
(71 Min., 8/1999) 1 CD

Diese Veröffentlichung beweist es aufs Neue: Der Engländer Alan Rawsthorne gehörte zu den musikalisch Unauffälligen, Introvertierten, denen die handwerklich perfekte Ausarbeitung seiner Werke mehr bedeutete als Ideologien oder Trends. Umso erfreulicher, dass dies, nach dem Beginn der Rawsthorne-Reihe mit den beiden Violinkonzerten (siehe Rezension) nun schon die vierte CD mit seinen Werken bei Naxos ist.
Und es zeigt sich, dass im Schaffen dieses ernsten und nachdenklichen Komponisten eine deutliche Entwicklung stattfand. Wirken die frühen Sinfonischen Studien von 1939 trotz meisterhafter Beherrschung des Orchesterapparats noch recht unpersönlich und neutral, tritt in den beiden Instrumentalkonzerten, dem Oboenkonzert (1947) und vollends dem Cellokonzert (1966) ein zunehmend individueller und harmonisch diffiziler Ton zu Tage, der darüber hinaus von immer stärkerer Gedankentiefe geprägt ist.
Das Cellokonzert repräsentiert Rawsthornes Charakterzüge auf nobelste Weise: sinnfällige Konstruktion, dankbare, nie oberflächliche, instrumentengerechte Schreibweise und eine Klangsprache, die bei aller Traditionsverbudenheit nähere Bekanntschaft erfordert, bevor sie sich vollends öffnet. In Alexander Baillie hat das Werk in dieser Ersteinspielung einen hervorragenden Fürsprecher gefunden, der die vielen Schattierungen des Soloparts vorbildlich ausleuchtet. Zum Publikumsreißer wird diese Musik nie avancieren - das bleibt brillanteren, virtuoseren Werken vorbehalten - oder aber solchen, in denen Größe, Individualität und unmittelbare Fasslichkeit sich zu einem absoluten Meisterwerk verbinden wie etwa, um im Lande zu bleiben, der Cellosinfonie Benjamin Brittens.
Angesichts der Ehrlichkeit und Tiefe Rawsthornes werden jedoch hierarchie-bezogene Überlegungen, ob es sich denn hier um erst-, zweit- oder gar fünftklassige Musik handelt, überflüssig. Wir sollten uns freuen, dass es sie gibt und dass wir sie hören können.

Thomas Schulz, 01.02.2001



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