Responsive image
Aribert Reimann

"... oder soll es Tod bedeuten?" Mendelssohn, Schumann: Song Transcriptions

Christine Schäfer, Petersen-Quartett

Capriccio/Delta Music 71 090
(65 Min., 12/2005) 1 CD

Immer wieder suchen die Musiker des Petersen-Quartetts die Begegnung mit Kollegen und noch mehr mit Kolleginnen des Gesangsfaches. Juliane Banse, jüngst Zoryana Kusholer und nun Christine Schäfer, die Aribert Reimanns Bearbeitung von acht Mendelssohn-Heine-Liedern zunächst etwas unterkühlt angeht, sich von den Attacken der Streichquartett-Begleitung beinahe einschüchtern lässt. Schon das eröffnende "Leise zieht durch mein Gemüt" führt insofern in die Irre, als es hier weder besonders leise zugeht, noch das "liebliche Geläute" durchs Gemüt der Sopranistin zieht, sondern zielstrebig daran vorbei. Doch nach den ersten Wirren der sperrig-vielgestaltigen Bearbeitung stellt sich dann doch eine etwas intimere Haltung ein, insbesondere beim Petersen-Quartett, das seinen eigenen Traum vom Frühlingsduft, vom Herzeleid und von romantischer Versunkenheit verfolgt. Der Komponist Aribert Reimann sah wohl die Gefahr darin und setzte deutliche Kontraste innerhalb des Begleitsatzes und in eruptiven Intermezzi. Und allmählich wächst alles sinnvoll zusammen: die unterkühlte Gesangserzählerin, der emotionalisierte Intellekt des Komponisten, schließlich das in allen Wassern schillernde, gurgelnde, schwimmende, schwebende Petersen-Quartett. Züchtiger, strenger, ökonomischer erklingen die Bearbeitungen der Sechs Gesänge op.107 von Robert Schumann. Auf das "Herzeleid" folgt "Die Fensterscheibe", in der textlich wie musikalisch die wunderbare Verwandlung vom äußerlich-sachlich Banalen zur Größe des romantisch aufgeladenen, intimdramatischen Banalen zu beobachten ist.

Helmut Mauró, 27.12.2007



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Heute auf den Tag genau, am 26. Januar, wäre sie 75 Jahre alt geworden: Jacqueline du Pré, die viel zu früh verstorbene Ausnahmecellistin, Schülerin von Pablo Casals und Mstislaw Rostropowitsch. Legendär ist nicht nur ihre Aufnahme des Cellokonzerts von Edward Elgar, nein, das Werk selbst, mittlerweile beliebt im Konzertsaal, erfuhr durch du Pré erst seinen Aufschwung: Die Londoner Uraufführung am 27. Oktober 1919 war zunächst eine große Enttäuschung. Der Dirigent Albert Coates hatte […] mehr »


Top