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Roger Reynolds

Coconino, A Shattered Landscape, Visions, Kokoro u.a.

Arditti Quartet

Montaigne/Helikon 782083
(136 Min., 4/1994, 2/1996) 2 CDs

Als Initialzündung für den hochkonzentrierten Ausdruck in der Kammermusik gelten Anton Weberns Werke für Streichquartett. Miniaturen, in denen das komplexe Kompositionsmaterial auf einen Augenblick radikal verdichtet wurde. Versuche, diese gedrängte Expressivität weiterzudenken, hat es seitdem nur selten gegeben. Der Ungar György Kurtág wäre da zu nennen. Und der 1934 in Detroit geborene Roger Reynolds.
Obwohl sein künstlerischer Radius zudem nahezu alle außermusikalischen Felder wie Literatur, Bildende Kunst und Tanztheater umfasst und er 1989 für das Orchesterwerk "Whispers Out of Time" mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, ist Reynolds in Europa ein kaum Beachteter geblieben. Dass das Arditti Quartet nun gleich auf zwei CDs sich dem kammermusikalische Schaffen Reynolds' annimmt, ist somit eine lohnenswerte Entdeckung. Mit fünf Zyklen von 1985 bis 1994, jeweils aus mindestens zehn Sätzen bestehend, die bisweilen nicht länger als zwanzig Sekunden dauern.
Bei allem unmittelbaren, gestenreichen Auftauchen und Verschwinden der mikroskopischen Dimensionen sind es aber keine hochartifiziellen, in sich geschlossenen Gebilde. Reynolds' Quellen-Topologie speist sich aus Landschaften wie das nach einem Gebiet in Nord-Arizona benannte "Coconino"; aus Gemälden Pieter Breugels ("Visions") und der Mythologie ("Ariadne's Thread"). Themen, um die Reynolds ein Netz der komplexen Klanggestaltung spannt, das von filigranen Ruhepolen bis zur impulsiven, dramatischen Entsinnlichung reicht. Werke von unablässig attackierender Wirkung, die von der technischen Kompetenz und dem subtilen wie zupackenden Spiel der Ardittis leben.

Guido Fischer, 21.09.2000



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