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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Antonio Rosetti

Sinfonien (Folge 2)

Concerto Köln

Teldec/Warner Classics 0630-18301-2
(65 Min., 3/1997) 1 CD

Selbst unter den Skeptikern des musikalischen Historismus dürfte es unbestritten sein, dass die Originalklangszene in den letzten Jahren neben der gründlichen Entschlackung des barocken und klassischen Standardrepertoires unzählige musikalische Preziosen von vermeintlich zweitklassigen Komponisten wieder ans Tageslicht geholt hat. Zu diesen von der Aufführungshistorie wie auch von der Platte bislang vernachlässigten Meistern zählt Antonio Rosetti alias Anton Rösler (1750-1792), ein aus dem Böhmischen stammender Kontrabassist, der sein halbes Leben am schwäbischen Hof des musikbegeisterten Fürsten von Oettingen-Wallerstein verbracht hat und dort nicht nur seine wichtigsten Werke schrieb, sondern auch eines der besten Hoforchester der damaligen Zeit aufbaute.
Nach dem großen Erfolg seiner ersten Rosetti-Initiative vor zwei Jahren hat das fünfzigköpfige Ensemble Concerto Köln jetzt vier weitere Sinfonien des schwäbischen Vorklassikers in einer geradezu leidenschaftlich aufgewühlten Deutung herausgebracht: Die dramatisch pulsierenden Kopfsätze sind Musterbeispiele für die ästhetische Aufbruchsstimmung des Sturm und Drang, während die lapidar anmutenden Andante-Sätze denen Haydns an spiritueller Schönheit in nichts nachstehen. Und das noch immer ohne Dirigenten spielende Concerto Köln legt los, als wäre es antiker Rock 'n' Roll: fetzig, rauh und herzlich.
Rosettis eigenwillige, dabei sehr effektvolle und experimentierfreudige Weiterentwicklung der Errungenschaften der Mannheimer Schule und auch seine spürbare geistige Nähe zu Haydn und Mozart lassen ihn nachgerade zu einem Avantgardisten dieser eben nicht nur von den Wiener Klassikern geprägten "wilden" Übergangszeit avancieren. Und dank dem geradezu fanatischen Einsatz seiner Kölner Propagandisten spürt man hinter aller handwerklicher Raffinesse auch den enormen Herzensdruck, die brennende Sehnsucht nach Veränderung und Erneuerung der Gesellschaft in diesen letzten Jahren vor der Revolution.

Attila Csampai, 31.01.1998



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