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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



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Ludwig van Beethoven, Robert Schumann

Fantasie g-Moll op. 77, Appassionata, Davidsbündlertänze

Jonathan Biss

EMI 585 894-2
(65 Min., 3/2003-4/2003) 1 CD

Halten Sie mich für einen Spießer, aber ich habe meine CD-Sammlung sortiert, alphabetisch nach Komponisten. Schwierig wird es dann, wenn zwei oder mehr Tonsetzer verewigt sind, dann entscheidet sich der Standort danach, welcher mir persönlich wichtiger ist. Diese CD aber ist gut für den Stapel der ewigen, noch nicht einsortierten Zweifelsfälle, denn die Entscheidung zwischen beiden hier eingespielten Hauptwerken fällt schwer.
Man mag sich fragen, wie viele Aufnahmen der "Appassionata" oder der "Davidsbündlertänze" der Markt noch braucht, oder ob hier nicht ein gewisser Sättigungseffekt eingetreten ist. Aber erstens verkaufen sich unbekannte Interpreten mit bekannten Werken immer noch besser als unbekannte Interpreten mit unbekannten Werken, und zweitens hat gewiss jeder das Recht, auch seine Sicht der All-time-Favourites vorzustellen. Im Fall von Jonathan Biss ist das eine für den Hörer mehr als lohnende Angelegenheit. Gerade mal 23 Jahre alt ist der amerikanische Pianist, der hiermit seine erste Plattenaufnahme vorstellt. Er hat bei Leon Fleisher studiert, nennt Rudolf Serkin als ein großes Vorbild, und sein Repertoire umfasst Werke von Mozart bis zur Neuen Musik.
Biss' Ton ist geprägt von Natürlichkeit, von herzerfrischender Spontaneität. Selbst schreibt er: "Meines Erachtens besteht die Gefahr der Aufnahme darin, dass man sich auf die Suche nach Perfektion in die Irre leiten lässt und glaubt, alles Frische, Lebendige und Reale ausbügeln zu können. Als ich diese Werke einspielte, die ich so sehr liebe, wollte ich ganz einfach ein ehrliches Dokument dessen schaffen, was ich in einem ganz besonderen Augenblick empfand." Das klingt ebenso jugendlich wie reif, und das ist auch die Mischung, der der Hörer in Bliss' Aufnahmen begegnet. Nichts erscheint gewollt oder überzeichnet, auch nicht die scharfen Kontraste der "Appassionata" und der exzentrischen Fantasie in g-Moll (auch von Beethoven). Hier spielt kein von einer PR-Maschinerie auf ein wackliges und viel zu hohes Podest gestellter Tastenathlet, sondern ein wahrhaftiger und authentischer junger Künstler. So lebendig wie sein Beethoven, so versponnen und träumerisch kann an den entsprechenden Stellen ("Innig", "Einfach") sein Schumann sein. Vielleicht brauche ich einfach ein neues Fach, eines für Lieblings-CDs.

Matthias Reisner, 04.09.2004



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