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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



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Sergei Tanejew

Konzertsuite für Geige und Orchester, "Oresteya"-Ouvertüre, Zwischenaktmusik zu "Der Apollon-Tempel in Delphi"

Pekka Kuusisto, Philharmonisches Orchester Helsinki, Vladimir Ashkenazy

Ondine/Note 1 959-2
(64 Min., 5/2000) 1 CD

Der Komponist Sergei Iwanowitsch Tanejew (1856-1915) muss noch entdeckt werden. Auch in seiner Heimat Russland. Dabei war er ein überaus einflussreicher Aktivposten des Moskauer Musiklebens. Nach der Lehre bei Tschaikowsky nahm Tanejew am Konservatorium die Rachmaninows und Skrjabins unter seine Fittiche. Und als Pianist besaß er sämtliche Qualitäten, um Tschaikowskys Klavierkonzerte Nr. 2 und Nr. 3 uraufführen zu dürfen.
Als Komponist konnte Tanejew jedoch nie aus dem Schatten seiner mächtigen Kollegen heraustreten. Obwohl er es war, der mit der russischen Operntradition brach und erstmals einen mythologischen Stoff verarbeitete: zur Oper "Oresteia" nach Aischylos. Mit ihrem Vorspiel hat die von Wladimir Aschkenazy jetzt eingespielte Ouvertüre aber wenig gemeinsam. Höchstens die destillierten Motiv-Partikel, über die Tanejew in diesem Werk ausladend fantasierte - und dabei mit beiden Beinen fest auf Wagner-Territorium stand. Mit fließenden Streicherbewegungen, Bläser-Fanfaren und einem suggestivem Pathos, in das Tanejew kurioserweise noch ein "God-save-the-Queen"-Zitat hineinschmuggelte.
Auch in der Konzertsuite für Geige und Orchester kann sich Tanejew mit Referenzen nicht zurückhalten (Tschaikowsky, Brahms). Doch in der formalen Verbeugung vor der barocken Suite lässt er tänzerischem Charme, virtuoser Leichtigkeit und romantischer Schlichtheit freien Lauf. Damit wird dieses Konzertstück aus dem Jahr 1909 geradezu Pflicht für musikantische Geister wie den jungen Geiger Pekka Kuusisto. Ausgestattet mit einer tadellosen Technik und einer wirkungsvollen Ausdruckskollektion, kann er sich tonschön ausbreiten. Und zeigt bis ins artistische Vivacissimo-Finale hinein keine Schwächen. Diese CD bietet daher gleich zwei Entdeckungen: Tanejew und Kuusisto.

Guido Fischer, 01.03.2001



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