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Giuseppe Tartini

Werke für Violine

Andrew Manze

Harmonia Mundi France/Helikon
(68 Min., 5/1997) 1 CD

Andrew Manze ist einer der besessensten unter den Musikern der historischen Aufführungspraxis. Mit den meisten seiner bisherigen Einspielungen hat er Perspektiven in Richtung erlebnisdichter Fantasie geöffnet. Seine Tartini-Interpretationen zählen für mich zu den fesselndsten der letzten Jahrzehnte.
Manze ist kein Szeryng, kein Francescatti, kein Grumiaux. Deren technische Souveränität liegt außerhalb seiner Reichweite. Entscheidend ist seine Fähigkeit, Musik faszinierend zu erzählen, spannend zu machen, sich selbst bis in hinterste Winkel hinein zuzuhören - und den Hörer dorthin mitzunehmen. Am besten vergisst man alle Tartini-Klischees, alle hemmenden Vorstellungen, und lässt sich, auf Manzes geradezu rattenfängerische Fiedel vertrauend, in ein aufregendes klangliches Labyrinth, in einen Irrgarten musikalischer Lüste hineinziehen.
Tartinis eigener Interpretationspraxis folgend, musiziert Manze die Werke allein, ohne Continuo-Gruppe. Nach möglicher anfänglicher Irritation vermisst man das fehlende Continuo nicht mehr. Sei es die Teufelssonate, die Auswahl von 14 Variationen aus “L'arte dell' arco”, die a-Moll-Sonate oder die “Pastorale” - Manze entwickelt eine Vielfalt an Farben, Ausdrucksnuancen, Exaltiertheiten, die Schritt für Schritt für Überraschungen sorgen oder durch ihre Suggestionskraft den Atem anhalten lassen. Gerade der letztgenannte Aspekt nimmt breiten Raum ein. Der nackte, vibratolose, jeder Farbnuancierung und Schattierung fähige Ton vermag vor allem bei langsamen Sätzen suggestive Wirkungen auszuüben. Im nächsten Moment entführt uns das personifizierte Teufelchen mit einem eigenen Verzierungswirbel auf schwindelerregende Höhen.
Bevor ich weiter versuche, meine eigenen Assoziationen auszubreiten, wünsche ich Ihnen den gleichen Hörspaß und das gleiche Vergnügen, wie ich es an dieser Einspielung habe!

Wolfgang Wendel, 31.03.1998



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