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Michael Tippett

Konzert für Orchester, Tripelkonzert, Byzantium, Konzert für doppeltes Streichorchester, Fantasia Concertante u.a.

Faye Robinson u.a., London Symphony Orchestra, Colin Davis, Academy of St Martin in the Fields, Neville Marriner, Chicago Symphony Orchestra, Georg Solti

Decca 470 196-2
(154 Min., 1964 - 1999) 2 CDs

"Land ohne Musik"? Von wegen! Über die Vielfalt der britischen Musik von Arthur Sullivan über Benjamin Britten bis zu Mark-Anthony Turnage informiert die "British Music Collection" der Decca, die in einem ganzen Schwung von Veröffentlichungen zum Teil längst vergessene Schätze und auch bislang nie auf CD veröffentlichte Raritäten ans Tageslicht holt.
Besonders zu begrüßen ist das Doppelalbum mit Werken von Michael Tippett. Nach Tippetts Tod 1998 wurde es ziemlich schnell ziemlich still um seine Musik. Konzertaufführungen gibt es kaum noch, und die zahlreichen CDs der Firmen Decca, Philips und EMI sind nach und nach aus dem Katalog verschwunden. Dabei ist Tippett einer der vielfältigsten und schillernden Komponisten des 20. Jahrhunderts, und dies nicht nur in England. Nur wenige machten im Laufe ihres Schaffens eine derartige Entwicklung durch wie er - vom Neoklassizismus des Konzerts für doppeltes Streichorchester über die sinnliche Pracht der Fantasia Concertante und die kargen, asketischen Klangblöcke des Konzerts für Orchester bis hin zur exotischen Klanglichkeit des Tripelkonzerts und der Yeats-Vertonung "Byzantium", die Tippett mit vierundachztig Jahren komponierte.
Das alles liegt auf diesen CDs in Referenzaufnahmen vor. Unübertroffen sind vor allem die Aufnahmen des Tripelkonzerts mit Colin Davis und der Streicherstücke mit Neville Marriner - wohl die besten, die er mit "seiner" Academy je vorlegte. Was Tippett einen besonderen Rang unter den zeitgenössischen Komponisten verleiht und Früh- wie Spätwerke auszeichnet, ist sein den Konventionen des 20. Jahrhunderts völlig widerstrebender Mut zur Ekstase.
Wer bei der "Fantasia Concertante über ein Thema von Corelli" oder dem langsamen Satz des Tripelkonzerts nicht ins Schwärmen gerät, dem ist nicht mehr zu helfen. An dieser Veröffentlichung wie an der gesamten "British Music Collection" stimmt nur eins traurig: die allzu spartanische und lieblose Präsentation, die auf Gesangstexte weitgehend verzichtet und den Beiheftkommentar in gewohnter "splendid isolation" ausschließlich auf Englisch anbietet.

Thomas Schulz, 14.03.2002



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