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Ludwig van Beethoven

Klaviersonaten op. 2

Maurizio Pollini

DG/Universal 477 6594
(65 Min., 9/2006) 11 CDs

Gemeinhin bescheinigt man mit Joachim Kaiser der ersten Sonate, mit der sich der 25-jährige Beethoven dem Wiener Publikum verstörend-nachhaltig einprägte, trotzige, knappe Entschlossenheit. Maurizio Pollini propagiert diese Willenskraft allenfalls im Schluss-Prestissimo des f-Moll-Werkes. Ansonsten lässt er eine – durch die hallig-distanzierte Aufnahmetechnik noch verstärkte – Weichzeichnung vorwalten, die jene Kanten und Ruppigkeiten, die die an Mozart, Haydn und Clementi gewöhnten Zeitgenossen erschreckt haben müssen, nur erahnen lässt. Um wie viel prononcierter agiert da beispielsweise Friedrich Gulda, der die Synkopen und rhythmischen Widerborstigkeiten des Anfangsallegros geradezu herausmeißelt! Gegenüber dieser seltsam verschleierten Präsentation des f-Moll-Opus scheint Pollini in den beiden nachfolgenden Werken der Opus-2-Trias um einiges "wacher" zu sein, wie an den wunderbar perlenden, elegant-virtuos vorgetragenen Ecksätzen der A-Dur-Sonate und dem zu Recht "con brio" angegangenen Anfangssatz des C-Dur-Werkes zu hören ist. Allerdings tritt auch hier nicht wirklich ein junger Ungestümer auf die Bühne; mit Pollini sieht man vielmehr bereits den reifen, ja späten Beethoven am Horizont, der hier in diesen Initiationsschöpfungen des Opus 2 gewissermaßen in nuce präsent ist. Passenderweise rücken unter solchen Vorgaben die langsamen Sätze geradezu ins Zentrum: So diffizil im Ausloten der Ausdrucksfacetten des "Largo appassionato" bzw. des "Adagio" kommt sonst kaum eine Beethovenexegese daher. Schlichtweg bewundern muss man diese souverän-vollendete Gestaltung "tiefer" Empfindungen, auch wenn man den revolutionären Bilderstürmer vermisst.

Christoph Braun, 28.12.2007



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