Im Anschluss an die Gesamtaufnahme aller Klavierkonzerte Ludwig van Beethovens aus den Jahren 2001 und 2002 reicht Nikolaus Harnoncourt auf der vorliegenden CD nun weitere Werke Beethovens mit konzertantem Klavierpart nach; sein Pianist heißt wieder Pierre-Laurent Aimard, den Orchesterpart übernimmt erneut das Chamber Orchestra of Europe.
Mit seinem Tripelkonzert C-Dur für Violine, Cello, Klavier und Orchester op. 56 knüpft Beethoven 1804 noch einmal an die im 18. Jahrhundert etablierte Gattung der Sinfonia concertante, also des Konzerts mit mehreren Soloinstrumenten, an. Weniger konzertant als sinfonisch präsentieren Harnoncourt und sein Ensemble das Werk: Seine Solisten Thomas Zehetmair, Clemens Hagen und Pierre-Laurent Aimard agieren oft recht defensiv, kommen immer wieder einmal fast auf Zehenspitzen daher und legen weitaus weniger Wert auf solistische Profilierung als etwa Capuçon, Maisky und Argerich in ihrer kürzlich bei EMI erschienenen Version.
Gleichermaßen auf Samtpfötchen bewegt sich Aimard auch durch das Rondo in B-Dur WoO6: Man bewundert und genießt die edle Zurückhaltung und Dezenz seines Spiels bei gleichzeitig sehr ausgewogenem, warmem und rundem Klang, vermisst mit der Zeit aber auch ein gelegentliches Durchschlagen von dezidierter Schärfe oder spontaner Emotionalität. Dieser Mangel scheint auch in Aimards Interpretation des Klavierparts der anschließenden Chorfantasie c-Moll op. 80 auf: Nirgends reckt Beethoven als Querkopf und Choleriker sein Haupt; langsam schleicht sich das Gefühl ein, hier säße stattdessen Dvořák oder der in die Jahre gekommene Brahms am Klavier. Den luziden Gegenpol zur leider wenig prononcierten Aufgewühltheit des Anfangs tragen im Finale des oft auch als "kleine Neunte" bezeichneten Stücks das hervorragende Solistenensemble und der untadelige Arnold Schoenberg Chor bei.

13.11.2004



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Das Fünfte Element: Als Protegée des 3. Duke of Essex lässt sich 1714 der italienische Violinist Francesco Geminiani in London nieder, unterrichtet und komponiert. Während Georg Friedrich Händel (letztlich erfolglos) versucht, der italienischen Oper ein Standbein in der Weltstadt zu verschaffen, ist Geminiani als Virtuose erfolgreich. Erst auf Konzerttournee durch Irland, dann auch in London selbst. Den Durchbruch verschafft ihm aber die Bearbeitung eines Meisterwerks: Seine Concerti […] mehr »


Top