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Symmetry

Henning Sieverts

Pirouet
(58 Min., 8/2006) 1 CD, www.pirouetrecords.com

Als Kind lernte man den Satz "Ein Neger mit Gazelle zagt im Regen nie" und freute sich, dass er von hinten gelesen gleich lautete. Ähnliche Palindrome wählte der Bassist Henning Sieverts als Titel von 14 Kompositionen, wobei er mit "Lion Oil" oder "Never Odd or Even" noch in einfacheren Bereichen blieb. Diese Titel passen zu seinen Stücken, denn die Motive enthalten Spiegelungen in alle Richtun-gen und klingen doch so selbstverständlich wie weniger kunstvoll gedrechseltes. Sein Quintett mit dem Posaunisten Johannes Lauer, dem Saxofonisten und Klarinettisten Chris Speed, dem Pianisten Achim Kaufmann und dem Schlagzeuger John Hollenbeck lotet die Möglichkeiten auf dem Album Symmetry aus. Wer verkopfte, strenge Formen erwartet, wird enttäuscht: In den Meisten der 14 Titel grooven die fünf nach strengen Einleitungspassagen, in denen sie jeweils das Material vorstellen, höchst vergnügt. "Never Odd or Even", "We Few", "Emit Time" und "Dr. Awkward" klingen dagegen über große Passa-gen ziemlich konstruiert und verkopft und sind stellenweise der Neuen Musik näher als dem Jazz. Aber selbst hier gibt es Momente, in denen die Spielfreude über die Nüchternheit der Konstruktion trium-phiert. Das ganze Projekt ist also eine sinnlich-kopfige Angelegenheit, in der sich Disziplin und Spiel-witz großartig ergänzen.

Werner Stiefele, 28.12.2007



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