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Mark-Anthony Turnage

Blood On The Floor

John Scofield, Peter Erskine, Martin Robertson, Ensemble Modern, Peter Rundel

Argo/Decca/Universal 455 292-2
(68 Min., 5/1996, 6/1996) 1 CD

Nichts anderes als eine Liebeserklärung an den Jazz ist Mark-Anthony Turnages neunsätzige Suite “Blood on the Floor” - und dies trotz des düsteren Titels und der Bezüge zu Gemälden Francis Bacons und Heather Betts’. Seit Beginn seiner kompositorischen Tätigkeit spielt der Jazz eine wichtige Rolle in Turnages Musik, meist jedoch als unterschwelliger Einfluss, der ihre Physiognomie mitgestaltet, ohne an die Oberfläche zu treten. In “Blood on the Floor” hingegen ist die Improvisation erstmalig Teil der musikalischen Substanz; das Werk wurde, außer für die Mitglieder des Ensembles Modern, für drei Jazz-Solisten geschrieben, darunter John Scofield (E-Gitarre) und Peter Erskine (drums).
Die Integration der Jazz-Musiker in das Ensemble ist vortrefflich, die der beiden Musikformen zumindest über weite Strecken geglückt. Wenn es an dem Werk etwas zu bekritteln gäbe, dann seine gelegentlich allzu große stilistische Heterogenität, die reine Jazz-Nummern wie “Needles” und “Crackdown” wie Fremdkörper wirken lässt. Doch derartige Einwände verblassen vor der ungeheuren emotionalen Aussagekraft der Musik Turnages, die den Hörer zugleich brachial angreift und fesselt, bei aller Farbenfreude hart zu knacken ist und bei jedem Hören etwas Neues, Lohnenswertes eröffnet.

Thomas Schulz, 30.06.1997



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