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Mark-Anthony Turnage

Music To Hear

Nash Ensemble

Black Box/Note 1 6 80125 10652 0
(58 Min., 2/2001) 1 CD

Ein wunderschönes, filigranes, melancholisches Herbst-Album präsentiert uns hier ausgerechnet der Komponist, dessen Hang zur musikalischen Auseinandersetzung mit Gewalt und zu blutrüstigen Titeln ("Blood On The Floor", "Three Screaming Popes") ihm frühen Ruhm, fast könnte man sagen: Star-Ruhm bescherte. Doch wer die Musik des Briten Mark-Anthony Turnage kennt, den wird die durchweg lyrische Stimmung dieser CD mit Kammermusikwerken nicht verwundern: Die introvertierte Seite von Turnages Tonsprache war immer wesentlich stärker, persönlicher als ihr spektakulärer, aggressiver Gegenpart.
Alle Stücke auf "Music To Hear" stammen aus den neunziger Jahren, und ihnen gemeinsam ist eine melodiebetonte Introversion, eine Blues-Atmosphäre, die sich jedoch ausschließlich in Grundzügen, nicht, wie früher gelegentlich, in Genre-Zitaten widerspiegelt. Der Blues ist nun gänzlich unter die kompositorische Oberfläche verschwunden, ist quasi Teil der genetischen Struktur von Turnages Musik geworden.
Müsste man unbedingt etwas an dieser CD kritisieren, dann höchstens, dass die Stücke aufgrund ihrer Kürze durchweg Nebenwerk-Charakter tragen. Der Eindruck täuscht jedoch zum größten Teil; in Werken wie den"Three Farewells" oder dem Klarinettenquintett "An Invention On 'Solitude'" sind einige der persönlichsten Äußerungen Turnages enthalten. "Music To Hear" strahlt die ruhige Sicherheit eines Künstlers aus, der jenseits aller Dogmen und Gruppen vollkommen zu sich selbst gefunden hat.
Das Nash-Ensemble, das seit Jahren eng mit Turnage zusammenarbeitet und einige der hier vorgestellten Stücke auch uraufgeführt hat, musiziert mit größtmöglichem Einfühlungsvermögen. Wer einen Computer mit Internet-Anschluss besitzt, dem liefert die "Enhanced CD" auf einer speziellen Website zusätzliche Informationen und Links zum Komponisten und den Interpreten. Alle anderen jedoch finden im mageren Beiheft noch nicht einmal die Namen der Ensemblemitglieder.

Thomas Schulz, 15.11.2001



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