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Mark-Anthony Turnage

Blood On The Floor u.a.

John Scofield, Peter Erskine, Martin Robertson u.a., Ensemble Modern, Peter Rundel

Arthaus/Naxos 100 430
(92 Min., 1996)

Das Frankfurter Ensemble Modern ist ein Kollektiv ohne Berührungsängste. Der amerikanische Postmodernist John Adams steht bei ihm genauso auf dem Notenpult wie Hanns Eisler, Weills "Dreigroschenoper" und die stilistisch zerklüfteten Partituren eines Heiner Goebbels. Und mit dem Rockfreak Frank Zappa hat das Ensemble Modern ein schrill-amüsantes Klangpanorama namens "The Yellow Shark" hochgezogen. Ein ähnlich ambitioniertes Crossover-Projekt stand 1996 auf dem Programm, als der englische Komponist Mark-Anthony Turnage mit "Blood on the Floor" die Schnittstellen zwischen Jazz und Klassik auslotete. Turnage hatte sich dafür von einem gleichnamigen Gemälde Francis Bacons inspirieren lassen, war das Werk gleichzeitig als Epitaph auf seinen Bruder gedacht, der an einer Überdosis starb. "Blood on the Floor" wurde bereits kurz nach seiner Uraufführung auf CD veröffentlicht, zehn Jahre später liegt nun ein DVD-Mitschnitt von einem Konzert von 1996 vor.
Mit dabei waren die hochkarätigen Jazzmusiker John Scofield (Gitarre), Peter Erskine (Schlagzeug) und Martin Robertson (Saxophon), die den kaleidoskopartig angelegten Orchestersatz eher mit konventionellen Fusion-Motiven versorgten. Nicht nur aus der zeitlichen Distanz erschöpfte sich dieser Versuch, eine sich gegenseitig befruchtende Klangsprache zu finden, aber schnell in "Third Stream"-Plattitüden, kulminierte der Abend in einer orchestralen Modern-Jazz-Zugabe "Protocol", bei der wenigstens John Scofields markantes Single-Note-Spiel zustach. Als Einstimmung wohl für eine Fernsehübertragung hatte der verantwortliche Hessische Rundfunk immerhin ein kleines Werkstatt- und Proben-Feature vorgeschaltet, bei dem Turnage gerade die drei Jazz-Solisten über den höchsten Klee lobte. Was aber sollte er auch anderes sagen?

Guido Fischer, 23.06.2006



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