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Geirr Tveitt

A Hundred Hardanger Tunes - Suiten Nr. 2 und 5

Royal Scottish National Orchestra, Bjarte Engeset

Naxos 8.555770
(71 Min., 1/2001) 1 CD

Anfangs lässt sich der Name des Komponisten nicht einmal einer Nationalität zuordnen. Nach dem Hören der CD, dem Lesen des Beiheftes und etwas Internet-Recherche (die ist notwendig, denn der Beihefttext enthält zu wenig Biografisches) hat man einen Eindruck vom Lebensweg eines Musikers des 20. Jahrhunderts, der vollkommen jenseits jeder Mainstream-Popularität verlaufen ist.
Geirr Tveitt (1908-1981) ist Norweger, und in seine "100 Hardingtonar" für Orchester floss die reiche Volkslieder- und Sagenwelt des Hardanger-Fjords ein. Diese Gegend liebte Tveitt, hier ließ er sich in den vierziger Jahren nieder, hier traf ihn allerdings auch ein Schicksalsschlag: 1970 wurden etwa vier Fünftel seiner Werke beim Brand seines Hauses vernichtet, und mit ihnen auch ein großer Teil seiner Willens- und Schaffenskraft; Tveitt war nach dem Unglück ein gebrochener Mann.
Seine Ausbildung als Komponist erhielt Tveitt in Leipzig (Hermann Grabner), Paris (Heitor Villa-Lobos) und Wien (Egon Wellesz). Die Orchesterbearbeitung von Hundert Liedern seiner Heimat steht im Zentrum seines Schaffens. Er fasste die kurzen Einzelstücke in Suiten zusammen, von denen die zweite und fünfte auf dieser CD erklingen. Durchaus originell ist diese Musik, mal wunderbar lyrisch und ein wenig geheimnisvoll, dann wieder aufrüttelnd oder gar erschreckend. Tveitt versteht es zweifellos, das große Orchester wirkungsvoll und abwechslungsreich einzusetzen, und er schlägt den Hörer auch dann in den Bann, wenn dieser den Inhalt der jeweiligen Volksweise nicht kennt.
Dass die Texte der zugrundeliegenden Lieder nicht abgedruckt sind, ist sehr bedauerlich. Etwas Abhilfe schafft der in diesem Punkt sehr hilfreiche Beihefttext, indem er zumindest paraphrasierend stichwortartig Auskunft über die Themen der Episoden gibt.

Michael Wersin, 25.04.2002



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