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Ludwig van Beethoven, Franz Liszt, Alexander Skrjabin, Luigi Nono

Prometheus - Musikalische Variationen eines Mythos

Martha Argerich, Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado

Arthaus/Naxos 101 717
(57 Min.) 1 DVD

"Ein Film von Christopher Swann" steht auf dieser DVD als Untertitel. Es geht also nicht nur um Musik, sondern auch ... ja worum eigentlich? Um das filmische Nacherzählen der griechischen Sage von Prometheus, dem Wohltäter der Menschen und Feuerbringer? Eher am Rande und bruchstückhaft. Swann hat sich für eine illustrierende Bilderfolge entschieden, alternierend mit Orchesterszenen, wobei je nach musikalischem Werk Naturbilder und Kunstwerke (Beethoven und Liszt) oder kitschig über den Bildschirm züngelnde Flammen und Farbverfremdungen (Nono) herangezogen werden. Man fragt sich beispielsweise, was der Elefant im Sonnenuntergang nun mit Prometheus oder Beethoven oder gar beiden zu tun hat.
Der Gedanke an die Videoclips der Popmusik liegt nah, doch der entscheidende Unterschied ist, dass in der Popmusik Bild und Ton gemeinsam konzipiert werden und im Idealfall eine Art Synästhesie hervorrufen. Die Methode lässt sich auf Orchestermusik des 19. Jahrhunderts nur schwer übertragen, da auch das Programmatische - eben die Sage von Prometheus - zwar als Vorlage für einen Hollywood-Schinken, nicht aber als Bebilderung der Musik taugt - schon, weil hier jeder Mensch seine eigenen Bilder haben wird, die nicht einmal mit dem Programm in Zusammenhang zu stehen brauchen. Ganz konkret besteht hier sogar die Gefahr, dass das Hören vom Sehen verdeckt wird - eine Feststellung, die bald in die Dimension der Zivilisationskritik vorstößt, sprich die Übermacht der Bilder zum Thema bekommt.
Machen wir also die Augen zu, denn die Interpretationen, die uns die Berliner Philharmoniker und Claudio Abbado sowie Martha Argerich liefern, sind exzellent. Während die "Geschöpfe des Prometheus" von Beethoven öfter zu hören sind, stellen die Sinfonische Dichtung von Liszt und die Suite "Prometeo" von Luigi Nono Raritäten dar, bei denen die Musiker durch Transparenz des Klangs und Lebendigkeit der Darstellung überzeugen. Selten wird auch Alexander Skrjabins "Promethée - Poème du feu" gespielt, und hier können wir die Augen ruhig wieder öffnen, denn bei der Aufführung in der Philharmonie wurde versucht, die vom Komponisten mitkonzipierten Lichtspiele und -effekte eines "Farbklaviers" umzusetzen. Musiker und Saal werden in verschiedene Farb- und Lichtstimmungen getaucht - ob es authentisch ist, bleibt fraglich, doch es ist zumindest eine Sache, für die für das Medium DVD geeignet ist.

Matthias Reisner, 15.01.2005



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