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Igor Strawinski

Original Jacket Collection: Le sacre du printemps, Der Feuervogel, Petruschka-Suite, Psalmensinfonie u.a.

Columbia Symphony Orchestra u.a., Igor Strawinski

Sony SX9K 64136
(1945 - 1967) 9 CDs

In gewohnt liebevoller Verpackung präsentiert die „Original Jacket Collection“ eine Rundreise durch das Schaffen Igor Strawinskis - vom ersten Erfolg des „Feuervogels“ bis hin zum letzten Werk des Komponisten, dem kleinen Lied „The Owl And The Pussy Cat“ von 1966. Wie schon bei der Glenn Gould gewidmeten Box erwirbt der Käufer (der sich beeilen muss, denn es handelt sich um eine limitierte Auflage!) sozusagen neun LPs im CD-Format; es gibt keine Bonus-Tracks oder Neuzusammenstellungen, alles ist original, auch die Covergestaltung und der nun mikroskopische kleine Text auf der Rückseite (die vollständigen Texte sind auf der beiliegenden CD-ROM enthalten).
Bei der Vielfalt vor allem kleinerer Werke Höhepunkte herauszugreifen, fällt schwer. Es ist den Verantwortlichen jedenfalls hervorragend gelungen, die schillernde kompositorische Physiognomie Strawinskis, der sich ja beinahe von Werk zu Werk wandelte, einzufangen. Beinahe jedes Genre ist vertreten, vom Ballett (hier die drei „Russischen“) über die Oper („Renard“) bis hin zur geistlichen Musik und den jazzgefärbten Stücken. Nicht zuletzt gibt es auch einige typische Beispiele des bis zum heutigen Tage sträflich unterrepräsentierten zwölftönigen Spätwerks.
Ob es denn unbedingt zweimal der „Feuervogel“ sein musste, einmal im Original von 1910 und einmal als 1945 arrangierte Suite, sei dahingestellt; dafür gibt es als besondere Rarität ein paar Aufnahmen aus den vierziger Jahren, unter anderem, so exakt wie pulvertrocken, die Einspielung des „Ebony Concerto“ mit Woody Herman und seiner Band. Jetzt kann man endlich Herman mit Benny Goodman vergleichen, der das Stück, in einer Aufnahme von 1965, ebenfalls spielt.
Zu bewundern ist weiterhin das durchweg transparente und dynamische Klangbild, dem man das Alter von durchschnittlich fünfunddreißig Jahren nicht anmerkt. Zwei Dinge trüben jedoch die Freude an dieser Veröffentlichung: Erstens handelt es sich weder beim Columbia- noch beim CBC-Sinfonieorchester um erstklassige Klangkörper, noch war Strawinski ein großer Dirigent. Schwächen in Zusammenspiel und (vor allem) Intonation zeigen sich allenthalben, und Strawinski, der das Wort „Interpretation“ ohnehin ablehnte, liefert gelegentlich nicht mehr als lediglich den Notentext. Fürs Spätwerk und die Kammermusik gilt dies weniger, doch mit seinen früheren Kompositionen konnte er in reiferen Jahren wohl nicht mehr allzu viel anfangen - und der Mangel an Enthusiasmus teilt sich dann auch dem Hörer mit.
Oft fühle ich mich an Strawinskis Ausspruch während einer fürs Fernsehen gefilmten Orchesterprobe erinnert: „Sehense, so geht die Musik: eins, zwei, eins, zwei.“ Wenn man von diesen Schwächen jedoch absieht, bleibt eines bestehen: Eine besser zusammengestellte Strawinski-Box lässt sich schwerlich finden.

Thomas Schulz, 30.06.1999



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