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Igor Strawinski

Psalmensinfonie, Sinfonie in drei Sätzen, Die Geschichte vom Soldaten

Symphonieorchester des BR, Chor des BR, Lorin Maazel

RCA/BMG 09026 68470 2
(69 Min., 12/1995, 2/1997) 1 CD, DDD

Wo steht eigentlich geschrieben, dass Strawinski grundsätzlich hart und trocken, gleichsam wie aus Granit gemeißelt zu klingen hat? Des Komponisten eigenes Bonmot, seine Musik sei wie "extra-dry Champagner", ist oft allzu wörtlich genommen worden.
Es geht jedoch auch anders. Lorin Maazels Interpretation einiger Hauptwerke Strawinskis betont sowohl die Tiefgründigkeit als auch – vor allem! – die Klangschönheit dieser Musik. Das soll nun nicht etwa bedeuten, dass Maazel die rhythmische Akkuratesse vernachlässige – im Gegenteil. Doch klingt seine Einspielung der Sinfonie in drei Sätzen entspannter als alle, die ich kenne, obwohl seine Tempi nicht langsamer sind als die seiner Kollegen. Vor allem im Mitelsatz bringt diese Interpretationshaltung – nebst kammermusikalischer Intimität – bislang kaum auf diese Weise ausgehörte Klangfarben zum Vorschein.
In der Suite aus der "Geschichte vom Soldaten" gewinnt Maazel, der hier den Taktstock mit dem Violinbogen vertauscht, am meisten, wenn er verführen kann, so in den weltmeisterlich dargebotenen drei Tänzen Tango, Walzer und Ragtime. Der "Große Choral" erklingt bei ihm inniger als gewohnt, als weltabgewandtes Gebet. Manchmal mangelt es mir indes an der letzten Portion Biss, etwa im "Triumphmarsch des Teufels"; auch der erste Satz der Sinfonie hätte etwas mehr stählerne Aggressivität vertragen können.
Dafür gibt es an der Psalmensinfonie nichts auszusetzen. Die geradezu überzeitliche Ruhe und Transzendenz, die Strawinski im Finale erreicht, kommt in keiner mir bekannten Aufnahme gültiger zum Ausdruck, ebenso die gläserne Kontrapunktik des zweiten Satzes.
Im Gegensatz zu dem "Skelett mit Muskeln", als das der russische Meister oft präsentiert wird, zeigt uns Maazel also einen neuen Strawinski – nachdenklich, aber auch sinnlich, mit Fleisch auf den Rippen. Das ist wohl im ersten Moment ungewohnt und überzeugt auch nicht in jeder Sekunde. Aber es gefällt mir durchaus.

Thomas Schulz, 30.01.1999



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